Wer nur an den "Ballermann" denkt wenn er Mallorca hört, hat die sogenannte "Hausinsel" der Deutschen noch nicht richtig entdeckt. Am 17. Februar 2008 sind wir zu Acht von Frankfurt aus abgeflogen. Geplant war eine 8-tägige Entdeckungs-, Rad- und Wandertour. In diesem Bericht werde ich mich fast ausschließlich mit der Flora von Mallorca beschäftigen - so wie ich sie gesehen habe. - es war noch nicht so viel los und man fand durchaus einsame Plätzchen





Thymian, Ginster und blühende Levkojen besiedeln den Berghang...
... und überall Wolfsmilch(oben: Euphorbia amygdaloides, unten E. squamigera - strauchig wachsend mit roten Stängel)
Currykraut, Rosmarin, Ackerringelblume und Kugelblume begegnen uns häufig. Der hängende, dunkelblau blühende Rosmarin war in den Bergen sehr verbreitet.
Und da, wo es feucht genug war, blühte auch das Riesenknabenkraut (Barlia robertianum)

Ein weiterer Höhepunkt: Beginn der Zistrosenblüte.

Die "Gärten" der Berdörfer
Auf Mallorca gibt es ganz reizende Bergdörfer. Sie haben meistens enge steile Gässchen und es gibt nicht viel Platz. Dennoch, auf ihre Blumen wollen die Mallorciner nicht verzichten und so wird jeder Quadratzentimeter ausgenutzt. Und wo der Platz nicht reicht, werden die Blumentöpfe an die Wände gehängt. Das hat mir so gut gefallen, dass mein Staunen und mich Freuen gar nicht mehr aufhören wollte.
Jeder der mich kennt, weiß, dass mir beim Anblick von Aeonien der Atem ins Stocken gerät. Und wenn sie dann auch noch blühen ...
Wo derPlatz immer noch nicht reichte, wurde er geschaffen.
Selbst der Sinn für Humor geht in dieser Enge nicht verloren: ein radelnder Garten.
Und selbstverständlich werden "leere" Mauern begrünt.
Sicherlich waren die Eltern der folgenden Pflanzen einmal für Kübel oder den Hausgarten bestimmt. Aber Mittagsblumen, die nach Veilchen duftenden Freesien, Kapmagariten, Aeonien und Terzetten haben sich nicht in ihre Schranken weisen lassen, haben sich aus ihrer Enge befreit und sich putzmunter vermehrt.

Der Botanische Garten von Soller
In diesem Garten habe ich viel Zeit verbracht. Meinem geduldigen Gatten und seinem Buch verdanke ich, dass dieser Besuch ein weiterer Höhepunkt der Reise wurde. Gleich an der Pforte überraschten mich zwei überaus schöne Klettergewächse:Die blau/weiße (2 Pflanzen) ist eine Handerbergia violacea. Bei uns werden sie im Januar als blühende Kübelpflanzen angeboten. Jetzt habe ich endlich ihren Namen erfahren. Auf der Insel habe ich den Kletterer bereits in einem Bergdorf kennengelernt (oben rechts).
In Orange: Pyrostegia venusta, oder die Feuerranke
Im Garten wurden überall kleine Hochbeete aus Steinen oder Holz angelegt. Diese Idee werde ich sicherlich noch für meinen eigenen Garten verwerten können.
Noch ein Sahnestückchen: der Sukkulentengarten. Soviele grüne, grüngelbe und graueFarbnuancen, solch eine Formenvielfalt, solch eine abwehrende Bestachelung ... und alle Pflanzen waren im Topp-Zustand.

Und wieder Euphorbien: E. atropurpurea und E. mysinithes.
Von einer (zu diesem Zeitpunkt) einsamen Bucht ging es zu einem Platz, der wie eine Riesenhalle wirkte. Die Stille, die Einsamkeit und die gewaltige Natur waren ein solch großes Erlebnis, dass ich Gänsehaut bekam. Und dann ...
... am Ende der "Halle": eine Wiese mit blühenden Märzenbecher. Die hübschen Frühlingsblüher begleiteten uns bis zum Ziel unseres Ausfluges.
Als die Schlucht immer enger wurde und man nur noch mit Seilen weiterkam, klettern wir über Riesengeröllsteine zurück ans Meer. Jetzt war keine Menschenseele mehr da.
Hier sind wir Eden sehr nahe gekommen.






Eine orientalische Welt offenbarte sich uns im hinteren Teil des Gartens. Die Sonne stand bei unserem Besuch so günstig, dass die ganze Anlage mir wie ein verwunschenes Märchenschloss erschien. Im Garten dieser Moschee erfreuten mehrere ältere, blühende Exemplare der Zaubernuss (Hamamelis).



Am Ende des hölzernen Korridors befindet sich das Bild einer Flusslandschaft. Im Volksmund wird es als "Ende der Welt" bezeichnet.
Ein stolzer Pfau wollte trotz unserer intensiven Bemühungen sein Rad nicht für uns schlagen. 








