Donnerstag, 4. August 2016

Pflanzen am Wegesrand oder warum ich doch lieber beim Glas bleibe


Wenn ihr irgendwo einmal dieses gelbe Fahrrad seht: bitte lasst es stehen. Es gehört zu mir und sicherlich bin ich ganz in der Nähe in einem Straßengraben und fotografiere gerade mal wieder die faszinierende Welt der Straßenborder. 


Die Pflanzen, die dort gedeihen, sind im Garten meistens unbeliebt! Doch hier, am Wegesrand dürfen sie wachsen und sich entfalten.
Und einfach nur schön und nützlich sein!

Ungeachtet von vorbeifahrenden Autos sind sie wichtige Nahrungsquelle für viele Insekten.

Da ist zum Beispiel die gemeine Ackerwinde (Convolvulus arvensis).
Sie liefert reichlich Nektar und Pollen für Bienen, Käfer und Schmetterlinge und sie hat sogar ihren eigenen Nachtfalter - den Windenschwärmer.Und das Weibchen der Spiralhornbienen ernährt sich ausschließlich von den Pollen der Ackerwinden. Das ist doch erstaunlich, oder?


Im Garten ist sie eine der meist gefürchtesten Unkräuter! Keiner möchte sie gerne im Beet haben und dort wo sie auftaucht, wird sie gnadenlos ausgerottet. Doch hier am Straßenrand darf sie wachsen.


Sieht sie nicht hübsch aus? Mit ihrem weißen Stern im rosa Gewand ...

Es gibt eine schöne Legende über diese Blume, die die Gebrüder Grimm aufgeschrieben haben:

Ein Mann hatte sich mit einer großen Ladung Wein am Wegrand festgefahren. Nichts ging mehr. Da kam die Mutter Gottes und sagte: "Ich will dir helfen! Ich habe Durst. Bitte gib mir etwas von dem köstlichen Getränk!" "Das würde ich gerne tun!", antwortete der Mann, "aber ich habe kein Glas!" Da bückte sich Maria und pflückte am Wegesrand eine kleine kelchartige Blume und sprach: "Nimm diese und schenk ein!" Gesagt, getan. Der Mann  schenkte ein und in dem Moment, wo Maria trank, löste sich der Wagen und der Mann konnte endlich seinen Weg fortsetzen. Die Blume - eine Ackerwinde - wird seit dieser Zeit Muttergottesgläschen genannt.

Ich würde ja schwören, dass die Gottesmutter bei uns in Rheinhessen unterwegs war und alles für einen guten Wein getan hätte ...

In manchen Erzählungen über diese Blume heißt es, dass es Rotwein war, was der Fuhrmann der Muttergottes gab und man sagt, dass die Spuren des Roten Weines noch heute auf den Muttergottesgläschen sichtbar sind. Was ist jedoch mit den reinweißen Blümchen? Hatte der Winzer auch weißen Wein dabei?


Maria war sehr bescheiden. Ihr reichte der kleine Blütenkelch um ihren Durst zu stillen Mir wäre da die Blüte einer Zaunwinde (Calystegia sepium) lieber gewesen - in die hätte wenigstens doppelt so viel hineingepasst ...


Aber am allerliebsten ist mir dann doch das Glas? Warum? Na weil da noch mehr reinpasst ...







Kommentare:

Sigrun Hillsidegarden hat gesagt…

Sehr schön, dein Denglischbeitrag! Diese Pflanzen werden ja ganz oft kaum beachtet oder ausgerissen. Natürlich können sie in einem Garten nicht unbeaufsichtigt wachsen, zumal wenn er klein ist.

Sigrun (geiles Fahrrad, ich wollte mal eines in rot, aber warum ich es nicht habe, erzähl ich dir demnächst.)

Lis vom Lindenhof hat gesagt…

Ich trinke meinen Wein auch lieber aus Gläsern, da ist es mir dann auch egal ob er weiß oder rot ist :-)

LG Lis

Naturwandererin hat gesagt…

Dein Beitrag zur Ackerwinde ist köstlich, solche Geschichten eignen sich gut bei Wildkräuterwanderungen, sie kommen immer bestens an. Diese Geschichte kannte ich noch nicht, wird gespeichert.
Liebe Grüße
von Edith, die jetzt Naturwanderin heißt,
früher Wanderungen durch die Natur, hieß.

Heidi hat gesagt…

Liebe Anne,
Deine Blogs sind sooo schön zu lesen, so erfrischend und mit einem ganz liebenswerten Humor - herrlich!
Mich erinnert die Ackerwinde immer an ganz besondere Pfefferminzbonbons. Die haben wir früher manchmal bekommen, meist, wenn wir zu meinen Großeltern oder zum Arzt in die Stadt fuhren..Das waren so kleine perlmutartig glänzende, gedrehte Röllchen, die farblich ganz der Ackerwinde glichen...ein schöne Erinnerung!

Aber noch etwas wollte ich Dir mitteilen: bei Google war zu lesen, dass Du das Buch "Ein junger Garten auf dem Land" rezensiert hast. Dazu ein Tipp: Schau doch einmal auf dem Blog "Gartenbienenweide" nach. Die Bloggerin Agnes war mit Staudenfreunden in eben diesem Garten der Familie Zimmermann! Sie hat viele schöne, aussagekräftige Bilder von dort mitgebracht! Eine gute Ergänzung Deiner Rezension und eine Bestätigung zugleich!

Alles Liebe
Heidi

Beliebte Posts