Vor ein paar Tagen bekam ich eine Mail. Es war ein Gruß zum neuen Jahr und die Verfasser ließen mich an ihren schönen Erlebnissen des vergangenen Jahres teilhaben.
Sie verrieten z.B. welches Buch ihnen im letzten Jahr gut gefallen hat oder welche Musik sie gerne hörten. Ein schöner Ausflug, was zum Lachen, ein eigenes Filmchen übers Tanzen.
"Schätze teilen", nannten es die Absender. Das hat mir sehr gut gefallen und ich dachte, das ist absolut nachahmenswert!
Aber letztendlich ist Bloggen ja genau das Gleiche: auch wir teilen uns mit, was wir erlebt haben und woran wir Freude hatten. Vor fast genau vier Jahren habe ich damit angefangen: am 21. Januar 2008 veröffentlichte ich meinen ersten eigenen Blogbeitrag. Die Überschrift lautete:
Und ich habe noch immer Lust und Freude daran, die schönen Dinge meines Alltags mitzu-
teilen .
Im Jahr 2011 habe ich die Kalenderblätter eingeführt. Ich habe sie sehr gerne gemacht, jedoch ist es für mich schwierig geworden, immer zu einem bestimmten Zeitpunkt ein ganzes Sammelsurium an Ideen zusammenzustellen. Und so beschloss ich, diese Rubrik in diesem Jahr zu streichen. Stattdessen will ich lieber ein bisschen aus dem Alttag erzählen.
Synonyme für alltäglich sind: nichts besonderes, durchschnittliches, langweilig ...
Dabei können alltägliche Dinge doch so spannend sein! Rotkraut z.B.!
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Alltag nicht alltäglich
... zum Beispiel Rotkraut
"Rotkraut bleibt Rotkraut und Blaukraut bleibt Blaukraut".
Ich stehe in der Küche und rühre das Gemüse in meinem Kochtopf. Leise und in Gedanken probierte ich für mich den alten Zungenbrecher aus.

Rotkraut - Blaukraut, ist das nicht das gleiche? Ich stelle die Temperatur kleiner und schaue bei
Wikipedia nach:
"Der Rotkohl ändert seine Farbe je nach pH-Wert des Bodens. In sauren Böden erscheint er eher rot, in alkalischen Böden dagegen bläulich. Je mehr Essig oder andere Säuren (z. B. durch Zugabe von Äpfeln) beim Kochen dazugegeben werden, ein desto deutlicheres Rot hat das Gericht. Durch diese lokalen Zubereitungsformen erklären sich die unterschiedlichen Bezeichnungen Rotkraut oder Blaukraut."
Aha: je saurer desto mehr
Rot!

Im Süden heißt es Rotkraut und im Norden Rotkohl - erfahre ich weiter. Dabei ist die Farbe des Rotkohls oder Rotkrauts gar kein richtiges Rot! Und Blaukraut ist auch nicht richitg blau. Dieser Kohl ist eher lila. Aber der Begriff "Lila" exisierte im Mittelalter noch nicht. Er kommt aus dem arabischen und man kennt ihn in der deutschen Sprache erst seit dem 18. Jahrhundert.
Was man so alles beim Kochen lernen kann! Und dabei wollte ich nur das Gemüse verarbeiten, das ich neulich eingekauft habe. "Rotkraut ist ein typisches Wintergemüse, ist reich an Eisen, Mineralstoffen, Anthocyanen (sekundärer Pflanzenstoff/Pflanzenfarbstoff / Radikalfänger / Stärkung des Immunsystems / Entzündungshemmer), Zucker und Senfölen. Das Gemüse besitzt wenig Kalorien, aber viele Balaststoffe (Quelle immer noch
Wikipedia".
"Arabisch" war mein Stichwort! Ich habe doch noch so viele Gewürze im Schrank. "Ich werde mir mein eigenes arabisches Rotkrautgewürz zusammenmixen". Gesagt, getan!
Mein arabisches Rotkrautgewürz
Im Prinzip, weiß ich, was zusammenpasst. Da wäre auf jeden Fall Zimt! Und Nelken, Piment. Ein kleines Experiment könnte nicht schaden.

Granatapfelpulver. Der süß-saure Geschmack könnte gut passen. Davon nehme ich einen ganzen Eierbecher voll. Weiter noch
1/2 Zimtstange
5 schwarze Kardamomsamen
je 10 Wachholderbeeren und 10 Nelken
1 Stück getrocknete Chilischote
je 1/2 Eierbecher Piment und Korianderkörner
Muskatnuss und Pfeffer frisch gerieben bzw. gemahlen
und 1/2 Becher grobes Salz - in diesem Fall Himalaysalz. Mit ihm lassen sich die Gewürze gut mörsern.
Alleine schon wegen des nicht
alltäglichen Geruchserlebnisses werden alle ganzen Gewürzkörner in der trockenen Pfanne angebraten.

Und dann geht's mit dem Salz ab in den Mörser. Hmm - das Dufterlebnis erreicht seinen Höhepunkt.

Wenn alles zerkleinert ist, kommt noch Pfeffer, Muskat und das Granatapfelpulver dazu.

Nun brauche ich noch ein ein nicht alltägliches Rezept:
Rotkrautauflauf mit Rosmarin-Sesam-Frischkäse-Soße
Rotkraut auf gewohnte Art kochen oder so:
800 g Rotkraut, fein gehobelt, 2 Zwiebeln, fein gehackt, 2-3 TL Rotkrautgewürz (siehe oben), Salz, 250 ml Rotwein, 2 EL Butter, 3EL Pflaumenmus oder schwarzer Johannisbeergelee.
Butter in einem großen Topf erhitzen und Zwiebeln glasig dünsten. Rotkraut dazugeben. Gewürze einrühren, mit Wein ablöschen. 20-30 Minuten leise schmurgeln lassen. Überschüssige Brühe abgießen, Gelee oder Mus einrühren, nachwürzen.
Abkühlen lassen. Noch eine Geschmacksprobe: Hmm, das Experimentieren mit den Gewürzen hat sichauf jedem Fall gelohnt!
(Und wenn's schnell gehen soll nimmt man ein Glas Rotkraut).
Der Auflauf
250 g saure Sahne, 2 Eier einrühren. Eine Quiche-Form mit Butter bestreichen und das Gemüse reingeben. Mit
50 g geriebenen Käse und 2 EL Sesam bestreuen.
Im vorheizten Backofen bei 180° 35 Minuten backen.

In der Zwischenzeit die kalte
Soße zubereiten:
2 Zweige Rosmarin, feingehackt. 3 EL Sesam, 1 EL Olivenöl, 2 Knoblauchzehen, fein gehackt. 100 g Frischkäse, 100 g Joghurt, Salz, Pfeffer.
Rosmarin in Öl anbraten, Sesam und Knobi dazugeben. Kurz rösten und abkühlen lassen. Restliche Zutaten einrühren und in den Kühlschrank stellen.

Der Kräuter- und Gemüsekenner und BuchautorWolf-Dieter Storl verglich einmal den Kohl mit einem Hund. Einst kam das dickblättriges einfache Unkraut zu den Bauern der Steinzeit. Und genauso wie der Hund sich nach den Wünschen des Menschen verwandelte, so tat das auch der Kohl und wurde im Laufe der Zeit zum Kohlrab, Blumenkohl, Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Rotkohl, Wirsing, Weißkohl usw. Als Hundebesitzer gefällt mir diese Vorstellung natürlich sehr gut.
Trotz oder gerade wegen der Veränderung ist der Mensch dem Kohl treu geblieben und so landet er immer noch im Kochtopf.
Herzliche Grüße majoRahn