Donnerstag, 17. November 2011

Spaziergänge in Rheinhessen

Von fließenden Steinen,
einem Liebesnest,
knorrigen Eichen,
von einem Galgen,
und aufgetürmten Männchen.

Letzten Sonntag machten wir uns auf den Weg um die Schönheiten und Geheimnisse von Rheinhessen zu entdecken. Knapp eine halbe Stunde fuhren wir mit dem Auto in Richtung Bad Kreuznach und landeten an der Westkante der Region.

Unser Spaziergang begann auf fließenden Steinen - den Rhyolithfelsen des Mainzer Beckens.

Rhyolith ist eine Wortschöpfung aus den griechischen Wörtern ρέιν (rhein) = fließen und λιθος (lithos) = Stein
Siehe Wikipedia

Unser Weg war mit Vulkansteinen gepflastert.



Nach ein paar 100 Metern bogen wir rechts ab um das heimliche Liebesnest eines rheinhessischen Winzers und einer schönen Müllerstochter in Augenschein zu nehmen.
Auf einem schmalen Seitenpfad soll man auf das Lager stoßen - zumindest versprach das der Wanderführer.
Gespannt erwartete ich den "sündigen" Ort hinter jeder Kurve.

Und dann plötzlich türmt er sich vor uns auf:

Als ich näher komme, denke ich: verflixt nochmal, was mach denn unser Hund Balu schon da oben auf den Zinnen? Wie kommt er da rauf?


Doch Balu wartet mit seiner Mutter auf den Stufen.

Ohne Hilfe gibt es keinen Weg nach oben:
Der Turm hat innen zwei gewölbte Etagen. In beiden Decken wurden lediglich Löcher gelassen und man gelangt nur mit Hilfe einer Leiter nach oben.


Man munkelt das hätte der reiche Winzer so geplant, um mit seiner Geliebten ein ungestörtes "Turmstündchen" zu verbringen ...

Aussen an den Wänden steht's: Jakob Jung, 1863. So hieß also der Liebhaber und Erbauer des Turmes!


Der Turm heißt übrigens Ajax-Turm und wurde nach dem Hund vom Erbauer genannt. Das Tier begleitete sein Herrchen überall hin und hielt Wache. Zum Dank bekam er ein Denkmal gesetzt und so hält er immer noch Ausschau nach Besuchern.

Als wir unseren Spaziergang fortsetzten, habe ich sie gesehen: die wunderschönen, knorrigen und kleinwüchsigen Eichen. Sie sind so klein geblieben, weil sie auf den fließenden Steinen wachsen.


Steine, Steine, Steine - überall rollen, liegen, fließen und türmen sie sich auf - als Mauer, als Stufen oder einfach nur als zusammengeglaubter Feldstein-Wall



Noch ein kleines Stück entlang der Weinberge -
durch einen Hohlweg und dann
stehen wir in einer öden Steppenlandschaft ...

... dem Galgenberg.

Es heißt, hier wären Verbrecher durch den Galgen hingerichtet worden. Sie blieben dort hängen, bis das Wild und die Raben nichts mehr von ihnen übrig ließen.

Ganz schön gruselig, ich wollte schnell weg von diesem schauerlichen Ort und hätte beinahe das kleine Wunder nicht gesehen: die herbstliche Wiese war über und über mit glitzernden Perlchen besetzt:




Vorbei an Weinbergen ging es zum nächsten Höhepunkt:
Dem streng unter Naturschutz stehendem "Horn".
Wieder einmal waren es die bizarren, kleinwüchsigen Bäume die mir sofort ins Auge fielen.

Eichen, Kirsche, Felsenbirne, Weichsel ...

und ein Traum von einer Eberesche!

Aber das war noch nicht alles:
kunstvoll aufgetürmte Steinmännchen balancierten halsbrecherisch auf "Schotterhaufen".

Wie kommen die nur hierher? Und vor allem: wer hat das gemacht? Nirgends fand ich einen Hinweis.

Dafür gab es eine Menge Hinweisschilder in dem relativ kleinen Naturschutz-Gebiet. Ein einziges am Eingang des Kleinods hätte mir persönlich gereicht.

Über Heidelandschaft

ging es zum angrenzenden Wald ...

bis man rechts eine Kirche und die Schlossruinen erblickte.

Laut Plan hätten wir noch ein Stück laufen müssen um die Burgruine zu besichtigen - aber ich glaube die Hunde waren müde ...

Stattdessen ging es nachhause wo die Sauna wartete.

Die Hitze des Ofens ließ den Duft der mitgebrachten harzigen Kiefernzapfen noch einmal lebendig werden. Beim Schwitzen blickte ich auf einen wunderschönen Spaziergang im rheinhessichen Hügelland zurück.

Kommentare:

Sibylle hat gesagt…

Wie schön und ausführlich du wieder alles beschreibst. Danke für die Runde. In Düsseldorf gibt es auch einen "Gallberg" , er liegt, logischerweise etwas ausserhalb von Düsseldorf. Gerade bin ich ohne eigenen"Arbeitsplatz" der Computer ist kaputt und so nehme ich mir mal etwas Zeit für eine kleine Bloggerrunde.
LG Sibylle

Lebenszeit hat gesagt…

Was für ein wunderschöner Spaziergang. Und der Abschluss mit Saunagang hätte mir auch gefallen.
LG Rita

Traumhausgarten hat gesagt…

Ein wundervoller Spaziergang der traumhafte Bilder beschert hat. Der Turm zaubert einen zurück in vergangene Zeiten und die kleinwüchsigen Bäume erinnern an einen Zwergenwald ;)

Sieht nach einem tollen Ausflug aus, bei dem sicherlich auch die Fellnasen viel Spaß hatten ;)

Lg Sandra

chamomilla hat gesagt…

Hallo,

schöne Bilder von eurem Spaziergang, vorallem die tollen Baumfoto`s !

LG Dagmar

Akaleia hat gesagt…

Liebe Anne, da hast Du mich mal wieder "mitgenommen" - begeistert für die schöne Landschaft und die vielen wundervollen Bäume! Großartig!
HG
Birgit

Ambiance-Jardin hat gesagt…

Steinweg, Turm, schöne Baüme, etcc....ah ! wie schön Anne !!
Herzliche Grüsse,
P.

braunelle hat gesagt…

Hallo,
was für ein schöner Ausflug. Kannst Du mir verraten, wo das ist. Ich kann im Netz den Ajax-Turm sowie dieses Naturschutzgebiet leider nicht finden.
Liebe Grüße
Uta

Gartenkraut hat gesagt…

Das sieht nach einem schönen Spaziergang aus und sooo romantisch mit dem Turm *ggg

Solche kleinwüchsigen Bäume haben wir auch im Süden Frankreichs immer wieder massenhaft angetroffen. Liegt also am Boden.

Liebe Grüsse Pascale

Manuel hat gesagt…

Liebe majoRahn,

danke für Deine guten und liebevoll präsentierten Rezepte, sie sind Anregung, selbst auf diese Art aktiv zu werden!

Herzliche Grüße

Manuel

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