Dienstag, 7. Juni 2011

Kalenderblatt Juni 2011

Im Juni beginnt der Sommer. Für kurze Zeit sind die Tage genau so lang wie die Nächte. Theoretisch könnte man in diesen Tagen viel erledigen ... jedoch:

"Der Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war"
(Zitat Mark Twain)

Einjährige und zweijährige Blumen

Der Sommer ist die Zeit der kurzlebigen Blumen. Sie geben alles um möglichst viel Samen anzusetzen, der ihr Überleben garantiert. Und wo sich einmal Samen bildet, hat es vorher reich geblüht.
Kurzlebig ist relativ, denn einige meiner 1-2jährigen gibt es schon seit vielen Jahren, immer wieder weichen sie geschickt der ordnenten Hacke aus. Manche stammen noch aus meinen Gartenanfängen vor über 30 Jahren.
Sie erinnern mich an Rita oder J.
Oder an den schönen Garten in W. oder an eine Gartenreise in den Schwarzwald.

Die blassgelbe Nachtkerze (Oenothera odorata) lag vor vielen Jahren einmal in einem Päckchen von Syringa. In meinem Garten wächst sie zur Zeit nicht, aber ich weiß, wo ich sie mir wieder zurückholen kann ...

Vom weißen Muskatellersalbei (Salvia sclarea 'Vatican White') sollte man sich ab und zu mal wieder eine neue Pflanze oder neuen Samen (F1-Hybriden) leisten - die Aussaat ist nicht immer sortenrein. Nach einigen Vegetationsperioden fällt die Pflanze wieder in ihre ursprüngliche Farbe zurück.

Zu guter Letzt möchte ich noch all die schönen Königskerzen erwähnen, die gelben und die weißen (Verbascum nigrum und Verbascum blattaria) - eine Erinnerung an den Besuch Herrmannshof in Weinheim vor ein paar Jahren. Es war ein schöner Ausflug mit lieben Freundinnen.

Verbascum nigrum in gelb und weiß

Verbascum blattaria mit wunderschönem Samenstand - zum Trocknen für Sträuße

Alle ein- und zweijährigen sind immer von irgendwelchen "Fliegern"umschwärmt. Mit ihren vielen Pollen sind sie wichtige Insektenrestaurants! Und wenn der Tisch für die Hummeln, Bienen, Fliegen usw. auch im Jahr 2012 gedeckt sein soll, muss man nur die einen oder anderen Samenstände stehen lassen.

Gartenbesuche

Die Zeit der Garten- oder Gärtnereibesuche hat im Juni Hochsaison.
Vita Sackville-West hat einmal geschrieben:

Wieviel man doch lernt, wenn man fremde Gärten besucht! Ich brachte von einem solchen Besuch so viele Ideen heim, daß ich mir wie ein überschäumendes Sektglas vorkam.

Besser kann man es nicht ausdrücken.
Bei mir zum Beispiel der Besuch in der Wildstaudengärtnerei mit dem Bauwagencafé


Ich habe hier berichtet. Da hat mir das Essen so lecker geschmeckt, dass ich es unbedingt auch mal nachkochen wollte. Und nun hat die Besitzerin der Gärtnerei ein Buch herausgegeben, das ich gerne empfehlen möchte:
Sofort nach Erhalt habe ich das Buch durchgeblättert und bin bei einem Rezept hängengeblieben. Haben die Hühner nicht wieder jede Menge Eier gelegt ... Und schon war klar, was es bei uns an diesem Tag zu Essen gibt:

Gefüllte Pfannkuchen mit einer Kräuterkäsemischung

Ich habe das Rezept nach meinen eigenen Koch- und Geschmacksgewohnheiten abgeändert.

Zuerst habe ich dünne Pfannkuchen vorgebacken (dabei wurden sie zunächst nur auf einer Seite gebacken).
Füllmasse:
1 P. Frischkäse und 1 B. Joghurt lässt man gut abtropfen. 200 g Speck anbraten und abkühlen lassen. Mischen und mit Pfeffer, Salz und 1 EL gehacktem französischen Estragon würzen.

Diese Masse streicht man auf die eine Hälfte der gebackenen Seite des Pfannkuchens und dann wird dieser auf beiden Seiten fertiggebacken.

Im Buch heißt das Gericht: "Komm morgen wieder".
... aber gerne Frau Werner, das mache ich doch glatt - nicht gleich morgen, aber irgendwann in diesem Sommer. Dann lasse ich mich wieder sehr gerne von ihnen bekochen und schaue im Garten nach, welches Kraut mir noch in meiner Sammlung fehlt.

Estragon


fehlt nicht in meiner Sammlung! Aber es muss der französische sein! Niemals den russischen, aus Samen gezogen, denn der hat nicht den feinen anisartigen Geschmack. Der französische Estragon wird nur aus Ablegern vermehrt. Einen habe ich vor über 30 Jahren von meiner damaligen Nachbarin Frau K. bekommen. Sie ist vor langer Zeit gestorben, aber der Geschmack erinnert mich immer noch an sie. Besonders gut schmecken kleine neue Pfälzer Junikartoffeln - roh mit Schale in Öl und in der Pfanne gebacken. Pfeffer und Salz und ein paar Zweige gehackter Estragon. Hmmm ...


Ein Herz aus einem Drahtbügel und Frauenmantelblüten

Gerne komme ich auch wieder zu Pierrette. Ich habe sie bereits zum 3. Mal in ihrem Garten im Elsaß besucht und ich schwöre, es war nicht das letzte Mal. Am Eingang habe ich diese Fensterrahmen mit den zauberhaften Herzen entdeckt (siehe Bild unten). Als ich Madame fragte, ob ich ihre Idee stehlen darf, war sie sofort einverstanden und hat mir Bilder von den frisch gebastelten Herzen geschickt (siehe oben). Die Herzen wurden im Herbst 2010 gebunden. Erstaunlich, nach einem halben Jahr sehen sie immer noch so gut aus.


Ich habe sie nachgemacht. Man nehme einen alten Drahtkleiderbügel (gibt es sie eigentlich noch in den Geschäften? Sie wirken so nostalgisch ...) Dann zieht man den unteren Teil weit nach unten (siehe oben rechts. Am besten das Bild anklicken, dann wird es deutlich). Der obere Teil wird nun auch nach unten gedrückt und so formt man allmählich ein Herz. Es sieht noch nicht besonders gleichmäßig aus - aber das macht nichts. Das gleicht sich beim Umwickeln aus.
Wenn das Herz fertigt ist, legt man es ein paar Tage zum Trocknen hin, damit sich die Blüten nicht nach unten hängen können.

Erst dann hängt man es an Ort und Stelle auf.
Ein zweites Herz habe ich aus meinem verblühten Mohn gebunden.

Übrigens:
am 18. und 19. Juni öffnen sich auch in Rheinhessen wieder die Gärten. Siehe auch hier.
Mein Garten bleibt allerdings an diesen Tagen geschlossen. Denn schließlich muss auch ich mir wieder neue Inspirationen holen.

Mein Sedum des Monats Juni
Sedum acre 'Minor'

Wehe dem, der die Urform vom scharfen Mauerpfeffer (Sedum acre) im Garten hat - er kann sich unter Umständen maßlos ausbreiten. In einem Trog würde er bald alles überwuchern.
Nicht so die kleinere, gedrungene Form, "Sedum acre minus". Seit Jahren wächst sie nun in meinem Satellitengärtchen und ist nie lästig geworden. Sie zeigt fast das ganze Jahr hindurch ein hübsches grünes Polster. Im Juni öffnen sich die kleinen gelben Blütchen.

Einkochzeit
Rharbarber-Bananen-Marmeldade
Im Mai oder Juni eröffne ich die Einkochzeit traditionell mit der Rharbarber-Bananen Marmeldae:
800 g Rharbarber geschält und sehr fein geschnitten, 2 mittelgroße Bananen, zerdrückt.
500 g Gelierzucker (2:1) drüberstreuen und über Nacht stehen lassen
Am nächsten Tag noch 1 TL Zimt einmischen 4 Minuten kochen und noch heiß in Gläser füllen.


Ende des Kalenderblattes Juni 2011

Kommentare:

simone hat gesagt…

Toll Danke für die vielen Bilder guten Berichte leckeren Rezepte und Dekoideen.
LG aus der Pfalz Simone

Akaleia hat gesagt…

Wunderschönes Kalenderblatt mit vielen schönen Geschichten...ach Anne, Du bist halt einfach die Queen of green! Pasta!
HG
Birgit

Lis hat gesagt…

Ein interessanter Beitrag, da ist für jeden etwas dabei!
Die Drahtherzen haben es mir besonders angetan und da ich in den nächsten Tagen eh die Alchemillas zurückschneiden muss, weiss ich jetzt auch schon was ich mit den Blüten machen werde! Danke für den Tipp!

LG Lis

Gartenliesel hat gesagt…

Das Herz mit den Frauenmantelblüten sieht ja wirklich ganz besonders hübsch aus. Da muss ich doch gleich mal schauen, ob sich in meinem Kleiderschrank noch so ein Kleiderbügel versteckt (es gibt sie bei uns immer noch, wenn man Kleidungsstücke aus der Reinigung abholt). Das Rezept für die Rharbarber-Bananen-Marmelade hört sich ja ganz außergewöhnlich an - muss ich unbedingt mal ausprobieren. Vielen Dank dafür. LG Gartenliesel

Sanspareil hat gesagt…

Einen Garten mit vielen Erinnerungen mag ich auch gerne.
Pflanzen, Steine, Wurzeln - vieles erinnert an Menschen, schöne Plätze usw.
Das Sedum acre habe ich ausgesät. Es bildet mit Trittplatten einen Teil eines Gartenpfades. Hier ist das Wuchern erwünscht. Momentan blüht es phantastisch.
Das Alchemilla-Mollis-Herz mache ich auf jeden Fall nach und hänge es an den Zaun zur Nachbarin. Sie liebt solche Herzen.

Danke für den interessanten Beitrag.

LG
Sigrid

Ina hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Ina hat gesagt…

Schöne Fotos! Dein Garten gefällt mir. Ich finde es auch toll, dass manche 1-2jährigen so langlebig sind. Meine Geranien habe ich auch schon mehrere Jahre und sie blühen jedes Jahr schöner.
Das Rhababer-Bananen-Rezept muss ich mal ausprobieren, das hört sich wirklich lecker an.
Viele Grüße
Ina

HaBseligkeiten hat gesagt…

....jetzt weiss ich auch was ich aus den Kleiderbügel machen kann, ie ich aus der Wäscherei bekomme...so eine einfache und klasse Idee :)
Liebe Anne, danke Dir für die vielen guten Anregungen!!
Viel Spass beim "Überschäumen" wünscht Dir,
Heidi

Meggy hat gesagt…

Hallo Anne,
ein klasse Junibeitrag, soviel schöne Ideen!!
Vielen Dank dafür.
Liebe Grüße
Meggy

Barbara hat gesagt…

Ich liebe deine Kalenderblätter, liebe Anne. Sie sind so voller Ideen, Inspiration und Denkanstössen. Die Metallkleiderbügel gibt es bei uns jedesmal, wenn wir etwas in die chemische Reinigung bringen. Ich mag sie nicht nur der Dekoideen wegen ;-) !! Aus den Frauenmäntelchen ist bei mir ein Kranz geworden (eben auch mit solchen Bügeln).
Bei dir würde ich auch gerne mal zu Tisch sitzen, lecker, was du zeigst!!
Herzliche Grüsse,
Barbara

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