Montag, 28. Februar 2011

Kalenderblätter - März 2011


"Erste März, Mädsche binn die Scherz!"

Früher trugen die Frauen bei der Arbeit Schürzen (auf rheinhessisch: Scherz).
Als ich noch klein war, trug ich auch immer eine, außer sonntags.
Weil im März wieder die Arbeit auf dem Feld und im Garten begann, war der 1. März "Schürzentag". Junge "Schürzenjäger" schlichen sich von hinten an und zogen den Mädchen die Schürzen-Schleifen auf. Dabei triumphierten sie:
"Erste März, Mädsche binn die Scherz!" Ich weiß noch, dass ich an diesem Tag mehrmals meine Schürze wieder zubinden musste.

Links: das bin ich - Schürzenträgerin anno1960


Bald ist Fassenacht

In wenigen Tagen geht die Fassennacht in die entscheidende Phase. Jetzt haben Umzüge, Maskenbälle und Sitzungen Hochkonjunktur. Und auch der Kreppelkaffee kommt dabei nicht zu kurz.
Ein "Kreppel" ist ein Fettgebäck mit viel Zucker drumherum und einem "Schuß" Gelee innendrin. Kreppel gibt es bei uns vom 11.11. bis zum Aschermittwoch - in manchen Bäckereien auch noch ein bisschen länger.
Auch bei uns gibt es Kreppel. Allerdings nicht die großen, traditionellen. Ich backe lieber die kleinen, knusprigen Quarkbällchen und ich hoffe, sie gehen als Kreppel durch.

Bitteschön, Platz nehmen!


majoRahn's
Fassenachts-Kreppel

250 g Quark
1 Ei
1 El weiche Butter
2 EL Zitronenzucker, siehe hier
(falls kein Zitronenzucker vorhanden, dann 2 EL Zucker, 1TL Zitronenschale)

alles gut verrühren

250 g Mehl
1/2 TL Backpulver

gut untermischen und zu einem glatten, festen Teig verarbeiten (Bild 1)
Mit dieser Masse kann man 16 kleine Bällchen formen, in die man in die Mitte Brombeer- oder eine andere Marmelade einarbeiten kann (Bild 2)

In einem kleinen Topf ca. 250 g Fett heiß werden lassen, und die Bällchen darin ausbacken.
Achtung sie werden schnell braun. Zwischendrin wenden.


Staubzucker mit einem TL Zimt mischen und über die "Kreppel" sieben.
Schmeckt lecker mit Vanille-Soße.


majoRahn's Blume des Monats:
Scharbockskraut - Ranunculus ficaria

Diese kleine Blume treibt schon sehr früh ihre glänzenden Blätter aus dem Boden. In Zeiten wo man noch nicht jederzeit frisches Obst oder Gemüse im Geschäft kaufen konnte, war ihr frühzeitiges Grün sehnsüchtig erwartet. Die jungen Blättchen sind Vitamin C-haltig und wurden gegen den gefürchteten Skorbut eingesetzt.
In der Natur wächst die Pflanze gerne auf feuchten, nahrhaften Wiesen oder am Waldrand. Sie wuchert sehr stark. Nicht so jedoch ihre gezüchteten Schwestern, die da heißen:

"Brazen Hussey", sattgelbe Blüten mit dunkelrotem gänzenden Laub
"Dusky Maiden" grüne Blätter mit dunkler Mitte und silbrigen Flecken
"Flore Pleno" hübsche gefüllte Blüten
"Orange" kräftige kupferorange Farbe
"Primrose" hellgelbe Blüten, die immer heller, fast weiß werden.

Noch muss ich auf die kleinen Blüten warten, aber die Blättchen sind schon da.
Heute morgen habe ich draußen im Garten Kräuter und ein paar frische Scharbockskrautblättchen geerntet. Damit habe ich eine köstliche Creme gerührt. Ich habe auch einen passenden Namen für sie gefunden:

Käsefuß an Kräuterball


Kräuterball
2 Hände voll allererstes Kräutergrün aus Garten und Natur - fein gehackt
200 g Frischkäse - gut abgetropft
100 g Joghurt, 3,5% Fett, gut abgetropft.
Verrühren, mit (Zitronen)-Salz und Pfeffer würzen.
Ein paar Walnüsse (oder Sonnenblumenkerne) ohne Fett rösten und kleinhacken. Kalt werden lassen und zur Creme geben.

Käsefüße
150 g Butter
200 g geriebener Emmenthaler
250 g Mehl, 1/2 Tl Backpulver
100 g Joghurt 3,5%
Salz, Paprika
Eigelb zum Bestreichen.

einen Teig kneten und 5 mm dünn ausrollen. Füße ausstechen und auf einem Blech bei 200° 15 Minuten backen.
Die Creme mit einem Eisportionierer zu einem Ball formen und Käs-Füße drumherum anrichten.


Termin-Tipps für März


Jetzt fangen in Rheinhessen wieder die "Außen-Termine" an.
Einen davon habe ich mir rausgepickt:

In der Reihe "Mittwochs, 18 Uhr in Rheinhessen"
Frühling in Neu-Bamberg
Spaziergang durch das schöne Burgdorf zum Höllberg. Von Austernbänken, blühenden Kuhschellen zum AquaVitis.
Ort: Parkplatz am Rathaus, Im Burggraben, 55546 Neu-Bamberg
Anmeldung nicht erforderlich, Kosten 5 Euro



Ein weiterer Tipp führt wieder nach Frankfurt:
Wie jedes Jahr findet auch in diesem Jahr wieder die Raritätenbörse in Frankfurt statt. Termin: 17. - 20. März - ein Muss für Pflanzenjäger/innen. Näheres findet man hier:
Palmengarten Frankfurt - Garten 2011



Immer noch Keimsprossen

Die Kräuter sprießen zwar schon im Garten, aber auf der Fensterbank wachsen sie auch noch: Keimsprossen auf Watte. Mit ihnen kann man eine hübsche vorösterliche Tischdekoration zaubern. Man braucht nur eine leere Eierkiste, von der man den Deckel abtrennt. Dazu halbe aufgeschlagene Eier, Watte, Samen.
Die kleinen Portionen sind ganz schön praktisch. Da wandert das Grün direkt von der Hand in den Mund. Oder aufs Käsebrot. Und auf der Fensterbank in der Küche wartet schon der Nachschub.



Ostern ist aber erst im nächsten Monat. Und da sehen wir uns bestimmt wieder - vielleicht mit vielen bunten Ostereiern.

***

Die Natur liefert den besten Beweis,
dass das Leben weitergeht:
keimend, knospend, wachsend,
vergehend
und wieder erblühend.

Paul Wilson

Kommentare:

herbst-zeitlos hat gesagt…

Danke für das schöne Kalenderblatt!
Da sind wieder viele Anregungen für Neues und Erinnerungen an (fast) Vergessenes enthalten.
Zu der "Scherz": Ich trug auch oft Sonntags eine, dann aber das Modell aus besticktem weißem Voile mit Schulterrüschen ... ich habe sie gehasst, weil ich schon immer ein "Draußenkind" war und die Schürzen mir bei meinen Aktivitäten immer eher hinderlich waren.

Elke hat gesagt…

Liebe Anne,
das ist wieder ein tolles Kalenderblatt. Ich habe mich noch nie getraut Kreppel selbst zu backen. Und die meisten, die man heute kaufen kann, schmecken mir nicht. Sie haben nichts mehr mit den leckeren Kreppeln meiner Kindheit gemein. Eine meiner Tanten buk auch die kleinen Bällchen. Ich werde mich vielleicht mal an deinem Rezept probieren.
Lieben Gruß
Elke

guild-rez hat gesagt…

Lieb Anne,
Danke für dieses März Kalenderblatt.
Erinnerungen werden wach, ich hatte auch schön bestickte Schürzen mit Taschen. Wenn ich sie im Garten trug, waren die Taschen mit gerade gefundenen Schnecken und Steinen gefüllt:)
Deine Kräuter haben mein Interesse geweckt, ich kenne nicht alle.
Pimpernelle sollte ich wieder im Garten pflanzen, sowie Sauerampfer.
Die Rezepte gefallen mir gut, vielen Dank dafür. Ich backe immer Mutzemandeln, schmecken ebenfalls sehr gut.
Liebe Grüße,
Gisela.

Hillside Garden hat gesagt…

Schöner Beitrag! Du siehst ewig jung aus, hast dich kaum verändert!

Jeder Fremde würde dich aufgrund dieses Fotos heute sofort erkennen! Ehrlich ...

Die Kreppel sehn so genial lecker aus, ich hab schon lange keine mehr gegessen.

Al

Frauke hat gesagt…

tolle Ideen und das Fasnachtsgebäck und die Füße werde ich sofort ausprobieren
herzliche Grüße Frauke

Margit hat gesagt…

Wunderbar, dein Kalenderblatt!
Die Schürzenträgerin hat aber einen wild-entschlossenen Blick drauf, da würde ich mir drei mal überlegen, ob ich die Schleife aufziehe;-) Schön sind so alte Fotos und Erinnerungen.
Die Kreppel locken mich weniger als das frische Grün, das zu zeigst. Könnt' ich's mir aussuchen, ich würde mich für das Grünzeugs entscheiden! Mir scheint, die Natur ist bei euch schon weiter als bei uns. Hier hat es nachts immer noch minus 6 - 7 Grad, der Boden ist steinhart gefroren. Da spitzen außer der unverwüstlichen Pimpinelle noch keine Kräutlein aus der Erde.
Die Keimsprossen im Eierbehälter sehen toll aus, so fröhlich! Muss ich unbedingt nachmachen;-) Bei uns gibt's heute abend auch wieder Sprossensalat.
Liebe Grüße & danke für die schönen Kalenderblätter, auf die freu' ich mich schon immer,
Margit

Barbara hat gesagt…

Dein Kalenderblatt, bzw. dessen Inhalt hat mich gerade versöhnt mit dem in meinem Garten zu Hauf aufgetauchten (gewöhnlichen!) Scharbockskraut. Soooo viel kann ich gar nicht davon essen, wie es bei uns vorhanden ist ;-) !! Die Kreppel sehen aus wie kleine Pfannkuchen, bestimmt sehr lecker! Und zu den schürzentragenden Mädchen gehörte ich auch... wie ich sie hasste, aber als folgsames Kind zog ich die Schürze natürlich nicht aus, erst als ich aus dem Blickfeld der Eltern war :-) !!
Liebe Grüsse
Barbara

Akaleia hat gesagt…

Liebe Anne, wie immer ein schöner Querschnitt deines Wirkens querbeet.....am besten gefällt mir aber das goldge Bild aus vergangenen Tagen - jetzt habe ich endlich kapiert was es mit dem "Pony" auf sich hat....:o))
HG
Birgit

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