Samstag, 30. Oktober 2010

"Man geht nie zweimal in denselben Garten"

... oder Elsaß im Herbst.
Im Sommer habe ich mit Freundinnen eine wunderbare Gartenreise ins Elsass unternommen. Monika hat sie sehr schön in ihrem Blog beschrieben:
Gartenreise im Sommer - Elsass
eingestellt in "Country Living in the City"


Einige dieser Orte wollte ich unbedingt im Herbst wiedersehen. Und so fuhren wir an einem nebligen Oktobertag in Richtung Frankreich.
Zunächst stand eine Wanderung durch den herbstlichen Wald auf dem Programm.

Ziel war die Klosteranlage auf dem Monte St. Odile.
Auf einem steinigen Weg ging es stets bergauf zu diesem heiligen Ort. Die Kreuze und vielen Täfelchen mit Namen verrieten uns, dass wir uns auf einem Pilgerweg befanden.




Die riesige Klosteranlage war in Nebel gehüllt. Das war zwar sehr stimmungsvoll, aber von der Klosteranlage haben wir wenig gesehen.

Dafür gab es im Klostercafé einen leckeren Imbiss.

Als wir unsere Wanderung fortsetzten, kamen wir an einer uralten Mauer vorbei. Sie soll 10 Kilometer lang sein und vermutlich noch aus keltischen Tagen stammen. "Heidenmauer" wird sie genannt. Ich darf gar nicht an die vielen armen "Heiden" denken, die diese Mauer mit höchstwahrscheinlich wenig Technik gesetzt haben ...
Aber schön ist sie und ich hätte mir gerne ein paar Meter für meinen Garten mitgenommen.


Wikipedia kann natürlich noch viel mehr davon erzählen

Unterwegs begegneten wir hölzernen Wegelagerer.



Ob sie wohl diesem Baum den "Kopf" verdreht haben?


Schon ziemlich spät am Abend ging es dann zu unserem ersten Garten nach Diebolsheim, zu Mme. Pierette

Und weil bei Mme Zimmer vermietet, haben wir uns dort einquartiert.

Am nächsten Morgen das Frühstück ...
ein Früüüüüüüüüüüstück!
Im Ofen knisterte breits ein Feuer. Die Heinzelmännchen müssen es schon früh am Morgen entfacht haben. Wir setzen uns an einen liebevoll gedeckten Tisch. Durch das Fenster konnte man schonmal in den herbstlichen Garten schauen. Dort tummelten sich bereits viele Vögel, die schon ihr Frühstück einnahmen(Bild oben rechts).

Jeder Morgen begann mit einer Überraschung: der Tisch wurde jeden Tag anders gedeckt: neues Geschirr, neue Decke, neue Servietten, neue -halter, neue Marmeladen (selbstgemacht - von Opa oder Pierrette)
Und jeden Morgen gab es einen kleinen frischgebackenen Willkommensgruß.
Mme kann 14 Tage lang jeden Morgen ihre Gäste mit einer neuen Tischdeko überraschen.

Ich wette, sie könnte sogar 365 Tage lang jeden Tag eine neue Kuchenvariante backen!
Auf dem Sofa, in den Regalen, auf dem Boden - überall lagen schöne Bücher und Zeitschriften für die Gäste bereit. Fast wünschte man sich, es würde mal regnen, damit man es sich in der guten Stube gemütlich machen konnte!


Dann endlich ging es in den Garten. Der Herbst hatte alles wunderschön bunt angemalt. Gräser und Astern hatten Hochsaison. Herrlich stimmungsvoll!

Mme P. ist bekannt für ihre Sammelleidenschaft. Gießkannen wohin man schaut:

Wäre es nicht schon etwas frisch gewesen, hätte ich es mir gerne auf einer Liege bequem gemacht.

Noch viel mehr über die Zimmer und den Garten erfährt man in Mme Pierettes Blog:
"Ambiance Jardin"


Am 2. Tag ging es in die Berge. "Berchigranges" stand auf dem Plan. Leider erfuhren wir erst in Géradmer, dass der Garten 2 Tage zuvor für dieses Jahr seine Pforte geschlossen hatte.

Stattdessen ging es auf die Route de Crêtes und wurden zum Trost mit schönem Wetter belohnt: der Nebel hatte sich verzogen. Wir machten Halt in einer Ferme Auberge und aßen eine deftige Choucroute-Platte. Mit vollem Bauch machten wir uns anschließend direkt auf zu einer kleinen Wanderung.


Der 3. Tag sollte eigentlich voll und ganz der Erholung dienen. Lesen, baden faulenzen. Wenn es da nicht ganz in der Nähe der Garten von Mme. Marguerite gegeben hätte. So ein winzig kleiner Ausflug konnte ja nicht schaden.
Wir hatten Glück - die Gartenbesitzer waren da und gestatteten uns viele Einblicke in ihr fantastisches Reich.

Ich hatte den Garten ja bereits im Sommer besucht und ich hätte es mir nie verziehen, ihn nicht auch im Herbst mal gesehen zu haben - alleine wegen der wunderbaren Bäume, deren volle Schönheit sich erst zeigt, wenn sie voller Früchte hängen, die Blätter bunt bemalt sind oder wenn man die Rinde an den bereits entlaubten Bäumen erkennt.


Die Gartenbesitzer nahmen sich über 2 Stunden Zeit für uns - Zeit, die sie zur Hochsaison wegen der großen Besucherschar nicht haben.

Eigentlich sollte es danach gleich wieder "nachhause" gehen, wenn es da nicht meine Leidenschaft gäbe, Torbögen und -pfosten zu fotografieren (davon mehr in einem der nächsten Blogbeiträge). Irgendwann, so dachte ich mir, kommt einmal der Hofhund und beißt mich ins Bein. Oder ein verärgerter Hausherr jagdt mich schimpfend davon. Aber es kam ganz anders. Ein interessierter Hausherr fragte mich, was ich da fotografiere. So ganz verstand er meine Leidenschaft nicht, dafür lud er uns in seine privaten Gemächer ein. Was wir dort zu sehen bekamen, verschlug uns den Atem:
ein Sammelsurium an alten Küchengeräten, Handwerkszeugs, Klamotten, Geschirr, Möbel und und und ... Alles fein poliert, kein Stäubchen auf irgendeinem Gegenstand, alles fein nach Alter sortiert, eine fast lückenlose Sammlung auf 2 Etagen:

Fasziniert stand ich vor der Fahhradklingel- oder einer Wäscheklammersammlung


Babyschuhe und eine Kombination zwischen Holz und Lederschuhen.

Besonders schön fand ich die alten Käseglocken - teilweise noch mundgeblasen.

Ich könnte noch ganz viele Bilder zeigen, aber das reicht erst mal, denn schließlich lag auch noch Straßburg um die Ecke. Da wollte ich dann auch noch hin.
Klein-Frankreich musste es sein, denn dort hat es mir im Sommer sehr gut gefallen. Damals konnte man noch draußen sitzen, aber drinnen im 'La corde a Linge' war es sehr gemütlich.

Mit dem Baden wurde es nichts mehr an diesem Tag - vielleicht das nächste mal.
Unsere Kurzurlaub war fast zu Ende. Nur noch einmal schlafen und einmal ein köstliches, reichhaltiges Frühstück

... und schon ging es wieder in Richtung Heimat.

Kommentare:

Lis hat gesagt…

Ah, da kommen jede Menge Erinnerungen an unsere Elsassreise im Sommer hoch, nur dass wir nicht das Glück hatten bei Pierrette zu nächtigen. Den Garten von Mme. Marguerite haben wir auch besucht, nur leider war da die Speicherkarte meiner Digi voll und somit hab ich kein einziges Foto von dort.
Manche Gärten sind im Herbst fast noch schöner als im Sommer, jedenfalls empfinde ich das halt so. :-)

LG Lis

Chalisas Klostergärtchen hat gesagt…

Nieselregen hat gerade meine Pläne für heute morgen zunichte gemacht, stattdessen genieße ich erst einmal bei einem Kaffee mit den Augen Eure Frankreich-Fahrt.
Wunderschöne Bilder von der Wanderung hinauf zum Kloster. Die Gärten sind auch im Herbst ein Traum. Und die Antiquitäten-Sammlung ist einfach klasse.

Liebe Grüße
Petra Michaela

stadtgarten hat gesagt…

Vielen Dank, liebe Anne, für den schönen Bericht aus dem Elsass. Ich habe ja schon ganz gespannt darauf gewartet. Toll, was Ihr in der kurzen Zeit alles erlebt und gesehen habt. Ich weiß momentan gar nicht, von was ich begeisterter bin, vom Mont St. Odile im Nebel (dort waren wir vor ein paar Wochen bei kühlem, aber klaren Spätsommerwetter), von den wunderschönen Gärten im Herbst, vom Blick auf den See beim Gazon du Faing, von der tollen Sammlung oder dem leckeren Essen in Strasbourg. Am liebsten würde ich mich gleich ins Auto setzen und losfahren - und irgendwann will ich auch einmal ein paar Tage bei Pierrette übernachten!
Ich freue mich, dass Ihr eine so schöne Zeit im Elsass hattet und dass Du uns (virtuell) auf die Reise mitgenommen hast!
Einen schönen Sonntag noch, liebe Grüße, Moni

Akaleia hat gesagt…

Liebe Anne, was ein zauberhafter Ausflug in das schöne Reich von Madame Pierette etc......aber ganz wuundervoll sind Dir die Bilder im Wald gelungen - was eine mystische Stimmung da die Natur gezaubert hat - grandios!!!
Danke für das Mitnehmen!
LG
Birgit

Ida - Garten-Keramik hat gesagt…

Hallo
Hab jetzt ganz fasziniert deinen Post gelesen und die wunderschönen Fotos dazu bestaunt. Und ich bin auch grad ein wenig platt! Das müssen ja einzigartige Tage im Elsass gewesen sein. Und wo denn sind diese beiden Gärten? Muss da nachher gleich mal nach diesem Blog "linsen". Und diese Sammelleidenschaft, das Sammelsurium - ist ja der Hammer. Was man nicht alles einfach so antrifft! Da sind ja noch wahre Schätze hinter tollen Torbögen.
Danke für für die tollen Reiseeinblicke.
Liebe Grüsse
Ida

Aiko macht sich Gedanken hat gesagt…

Hallo liebe Anne, was soll ich jetzt sagen?
So einen tollen und verlockenden Post habe ich lange nicht mehr im Web entdeckt. Was für eine herrlicher Bericht und - sorry - was wäre ich gerne dabei gewesen. Mir läuft das Wasser im Munde zusammen - die verschiedene Gestalten im Wald, der Farbenspiegel im herbstlichen Garten, die Sammelleidenschaft und Deine zutreffenden Worte. Pooooooh - ich bin ganz hin und weg.....muss das schön und für Dich besonders - auch inspirierend gewesen sein....Daaaaaaaaanke für´s Zeigen.
Wuff und LG
Aiko und sein langsam wieder besser laufendes Frauchen Annemarie

Elke hat gesagt…

Unglaublich! Das muss ich mir häppchenweise zuführen, das sind ja enorm viele Bilder und Eindrücke. Ach ich würde auch so gerne mal ins Elsaß, aber meine Französischkenntnisse reichen nicht sehr weit und meinen Mann krieg ich zu solchen Unternehmungen sowieso nicht. Viellleicht doch mal alleine? Mal gucken - eventuell im kommenden Jahr. Ich kann ja über den Winter meine Französischkenntnisse wieder aufpolieren. Danke, dass du uns diese vielen schönen Bilder zeigst.
Herzliche Grüße
Elke

Monika hat gesagt…

Liebe Anne,
ja das glaub ich dir aufs Wort, daß so ein Kurzurlaub bei Pierrette wahnsinnig schön war. Den Garten kenn ich zur Sommerzeit und er hat mich total begeistert.
Tja und so weit weg von mir warste ja nicht, Straßburg ist gerade mal eine gute halbe Stunde weg :-)
Liebe Grüße
Monika

Hillside Garden hat gesagt…

Majo, das sind herrliche Aufnahmen. Ich liebe diese großen monumentalen Steine, sie sind uralt und erzählen Geschichten!
Ich glaub dir, dass es herrlich bei Pierette war, mir hat es auch sehr gut gefallen. Der Garten ist schön.

Al

Babara hat gesagt…

Liebe Anne, wow, mir hat es auch fast die Sprache verschlagen beim Anblick der vielen schönen und stimmigen Fotos und dem Lesen deines Textes. Alles ist seeeehr verlockend und ich kann deine Begeisterung über diese Reise ins Elsass nur teilen. Wenn wir im Elsass sind (ist ja nicht weit von hier) dann auch vorzugsweise ebenfalls im Herbst (nicht nur der Weinlese wegen!). Die Antiquitätenausstellung ist ja sagenhaft, da hätte ich auch noch gerne mehr davon gesehen. Ich danke dir, dass wir dich via Bilder begleiten durften.
Herzliche Grüsse
Barbara

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