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Samstag, 24. Mai 2008

Hennen und Küken

ACHTUNG: hier in diesem Beitrag wird es wieder sehr "sempervivisch"! Deshalb rate ich allen, die damit so gar nichts am Hut haben, lieber gleich weiterzublättern. Den Restlichen stelle ich gleich mal eine Frage:

"Was haben die beiden folgenden Bilder gemeinsam?"


Na, habt ihr es erraten? War ja nicht sooooo schwer, stand ja schon in der Überschrift! Alles sind:

"Hennen mit Küken!"

Auf dem oberen Bild seht ihr mein eigenes Küken mit Küken, samt einer Henne und einem Küken aus dem Hühnerstall.
Und auf dem unteren Bild seht ihr Hennen mit Küken aus dem Senkgarten.

Nun aber mal ganz von vorne:
begonnen hat meine heutige Geschichte mit einer kleinen Maus, genauer gesagt der
"Braunen Maus".
Ich habe sie im März in Frankfurt auf der Raritäten-Börse erstanden. Ein hübsches kleines, glänzendes Sempervivum mit bräunlicher Farbe. Es bestand aus nur einer einzigen Rosette.
Und PLÖTZLICH - es war schon fast ein biblisches Ereignis - wuchsen ihr aus den "Rippen" kleine Rosettchen.

"Nanu", dachte ich, "das kenne ich gar nicht bei meinen Semperviven ???" Normalerweise sind die Rosetten "meiner" Semperviven ganz plötzlich da! So wie z.B. bei
"El Toro"
einer meiner Standard-Sorten.
Um die Mutter-Rosette haben sich brav im Kreis kleine Tochterrosetten gebildet.

Auch bei Othello hat sich alles ganz "normal" entwickelt. Man beachtet ihn wochenlang gar nicht und plötzlich hat "er" sich vervielfacht.


Und dann gibt es noch "die da".

Längst weiß ich, dass es sich hierbei um Jovibarba handelt, oder auf deutsch: Bart des Jupiters. Sie bilden ihre Kindel zwischen den Rosetten und nach kurzer Zeit werden sie von ihren Müttern "ausgespuckt". Die kleinen Rosettchen kullern auf die Erde und bilden bald ihre eigene Wurzeln.
(PS: Diese Sorte gehört zu dem J. globiferum Typ, die auch auf den deutschen Namen 'Henne mit Kücken' hört.)

Zurück zur 'Braunen Maus'. Sollte sie etwa auch ein Jovibarba sein?
Hilfe erhoffte ich mir bei den Semperviven Freunde im Semperviven-Forum der GdS (Gesellschaft der Staudenfreunde)

Und die kam auch prompt:

Zitat von Semperhans:

" ... Braune Maus ist ein Sempervivum von Erwin Geiger ...
Entscheidend ist der Durchmesser der "Stolonen" (Nabelschnur).
Bei Semps dick und über ein Jahr und länger vorhanden. Bei den Jovis ganz dünn und nach Wochen weg ...

Ende des Zitates

Ach???!!!, so einfach ist das???!!!
Schon wieder habe ich was dazugelernt. Die Art der Fortpflanzung ist ein Unterscheidungsmerkmal zwischen Sempervivum und Jovibarba! GENIAL, das kann ich mir merken.
Und von da an habe ich die "Nabelschnüre und Gebär-Gepflogenheiten" meiner Semperviven und Jovibarbas untersucht.
Ich weiß nun Bescheid!

Was macht meine "Braune Maus" inzwischen?

Ihre Babies hängen an dicken Nabelschnüren.

Und wie sieht es bei den anderen aus?

1. "Terracotta-Baby" z.B.

... hat auch Babies zwischen den Blättern bekommen (Bild vom April 2008).

Mai 2008: die Kinder sind herangewachsen und die unteren Blätter der Mutter sind verwelkt.

2. Sempervivum ciliosum 'Borisii':

April

Mai

3. Kleine Sempervivenart - ohne Namen:

Die Mutter hebt ihre Kindel zum Himmel empor.

4. Deep Fire:

April: noch sieht man nichts.
Aber da kommen sie schon (Mai):


eine Woche später: ach sind die groß geworden!

5. Noch eine "Ohne Namen"

Sie bildet lange braune Nabelschnüre. Ihre Kinder haben es sehr eilig über den Topfrand zu schauen.

6. Pepito

Grass, man sieht noch gar nichts.
Schaut man ihr jedoch unter das "Röckchen" (April), sieht man, dass sie "hochschwanger" ist:


Inzwischen (Mai) schauen die Kindel über den Rand.

7. Ganz klassisch: Rita Jane.

Baby kokettiert selbstbewusst neben Mutti.

8. Sempervivum altrum

Oh weh, ihr scheint es nicht schnell genug zu gehen, ihre Babies wegzuschicken.
Sie hat die längsten Stolonen gebildet.

9. Sempervivum arachnoideum var. tomentosum

Winzige Kindel. Zieht man sie heraus, hängen selbst die kleinsten an dicken Nabelschnüren.

Aber was ist das?????????

Bei den folgenden 2 Pflanzen konnte ich keine Nabelschnur entdecken???!!!
Diesmal habe ich mich schlaugelesen.


10.+11. Beide Pflanzen stammen aus der Gattung

Jovibarba heuffelii.

Sie bildet an ihren älteren Rosetten einzelne Blattwirbel, die sich dann zu eigenständigen Rosetten entwickeln. Meist sind sie an einer "Rübenwurzel" miteinander verbunden.


11. Dieses Phänomen entdeckte ich auch bei
'Oddity'

Nanu, ist Oddity auch ein Jovibarba heuffelii? Oder muss ich nur ein bisschen warten, bis die Mutter ihr Kind von sich wegschiebt?
Vielleicht bekomme ich ja einen Tipp von einem meiner Leser/Leserin!?

An dieser Stelle möchte ich vermerken, dass Semperviven und Jovibarba von einigen Botaniker wieder in eine einzige Gattung gesteckt wurden. Für die einen gibt es noch Jovibarba, für die anderen gibt es nur Semperviven. Was soll man da als Laie machen?
Ich bleibe bei der Trennung. Es macht für mich die Sache viel interessanter und überschaulicher.

Zum Schluss möchte ich euch meine derzeitige Lieblings-Steinrose mit ihrem Kindel vorstellen.
Die rotbraun gefärbte Mutter, für die ich leider keinen Sortennamen habe, ist mein größtes Exemplar und steht in einem kleinen Zinkeimer. Hat sie nicht eine prachtvolle Farbe und eine schöne Form?
Ihr Baby (2007 entbunden) ist noch etwas "Grün hinter den Ohren", strengt sich aber mächtig an, die Mutter einzuholen.


Und wenn man genauer hinschaut, schiebt das Kindel schon wieder neue Kindels zwischen den Blättern hervor.
Viva Sempervivum!

Sonntag, 4. Mai 2008

Eröffnung der Pfingstrosen-Saison

Jedes Jahr erwarte ich sie mit Spannung: die wilden Pfingstrosen aus dem Kaukasus.
Schon ihr Austrieb Ende März ist was besonderes: dunkelrot leuchten sie mit ihren runden Blättern im Gegenlicht der Abendsonne. Und jedesmal denke ich: ob sie es wohl in diesem Jahr schaffen rechtzeitig zu blühen.
Ja sie haben es wieder geschafft: pünktlich in den letzten Tagen des Aprils haben sie ihre Blüten geöffnet.

Die erste ist eine Paeonie wittmaniana und steht im Mutterpflanzenquartier der Gärtnerei, in der ich arbeite. Anfangs sind ihre runden Blüten noch mit vielen rosa Adern durchzogen, doch im Laufe der Tage verfärbt sich die gesamte Blüte in ein zartes Gelb.

Die P. wittmanniana wirkt insgesamt größer und wuchtiger als ihre zarte Schwester, die Paeonie mlokosewitschii, die in meinem eigenen Garten wächst.

Ein russischer Förster namens E.D. Mlokosewitch hat sie Ende des 19. Jh. auf der Südseite des Kaukasus gefunden. Einige Jahre später wurde sie in unseren Gärten eingeführt. Sie erhielt verschiedene volkstümliche Namen wie Zitronenpaeonie (GB), Trollblumen-Pfingstrose (Österreich), Butterpfingstrose (Deutschland) und in Amerika hieß sie sogar übersetzt: spottendes Hexenauge.
Diese Pfingstrosen werden durch Samen vermehrt und es dauert vom Samenkorn bis zur ersten Blüte ca. 4-5 Jahre.

Die Blüten sind übrigens ausgesprochene Insektenmagneten. Die Hummeln nehmen im Blütenstaub ein ausgiebiges Pollenbad - es erinnert mich an unsere Hühner, die sich gerne ein Staubbad genehmigen.

Gleich nach dem Blühbeginn der Kaukasus-Pfingstrosen gibt es einen neuen Pfingstrosen-Höhepunkt:

Paeonie x smouthii - übersetzt: die geschmeidige Pfingstrose. Sie trägt ihren Namen mit Recht, denn ihre samtigen, hellroten Blütenblätter wirken sehr geschmeidig. P. x smouthii ist aus einer Kreuzung mit ein P. lactiflora (chinesische oder Edelpfingstrose) und einr P. tenuifolia (farnblättrigen) entstanden.
Diese Pfingstrose ist eine äußerst gartentaugliche, robuste Pfingstrosenart! Die P. tenuifolia lässt in diesem Jahr noch etwas auf sich warten. Sicherlich war es ihr in diesem Jahr etwas zu nass und kalt.

Dafür öffnete die erste Strauchpaeonie schon ihre Blüten. Bald wird sie in einem Meer von über 50 großen, schweren Blüten ertrinken.



Neben all der Pfingstrosen-Blütenpracht hat sich im Verborgenen noch ein kleines Wunder erreignet: die ersten Knospen meiner geliebten Wildrosen zeigen auch schon Farbe!


Einen guten Start in die neue Woche wünscht Astrantia