Sonntag, 9. März 2008

Pappel-la-Papp

Ich mag Zweige im Winter - manchmal noch mehr als Blumen.
Wisst ihr warum?
  • Sie haben Knospen und Knospen sind sehr geheimnisvoll. Sie wurden bereits im Sommer des Vorjahres gebildet und in ihnen schlummert das vollständige Blatt oder die komplette Blüte des künftigen Frühlings oder Sommers.
  • Jeder Baum, jeder Strauch hat seine eigene Knospenform. Sie verrät so sicher wie ein Fingerabdruck, um welchen Baum oder Strauch es sich handelt.
Die Natur bringt solch einen Reichtum an Formen hervor - ich muss immer wieder staunen.

Während meiner Ausbildung musste ich lernen, einen Laubbaum im Winter zu erkennen. Das ist mir anfangs gar nicht so leicht gefallen, aber mit ein bisschen Übung und einem guten Bestimmungsbuch klappt das ganz gut.

Das hier, z.B. ist der Zweig einer Kastanie - von meinem Zweige-Strauß, siehe oben. Die riesigen Knospen sind leicht zu erkennen. Jetzt, einige Wochen bevor sie ihre Blüte entfalten wird, schwillt sie mächtig an und ist von klebrigem Harz umgeben, an dem ein Federchen hängengeblieben ist.
Die klebrige Masse verrät mir z.B., dass der Baum einmal weiße Blüten tragen wird. Das ist wichtig zu wissen, wenn man sich eine Kastanie kaufen möchte.
Die Knospen rotblühender Sorten kleben nicht. Menschen, die gerne einen Kastanienbaum für ihren Garten haben möchten, wählen für ihren Garten gerne eine Rotblühende. Sie werden nicht von Miniermotten befallen und werden nicht so hoch und mächtig wie ihre weißblühenden Schwestern, bilden aber kaum oder nur wenige Kastanien.

Jedes Jahr im Winter mache ich meine Knospenerkundungstouren damit ich nicht aus der Übung komme - denn längst verkaufe ich keine Bäume mehr. Meine treue Hündin Aicha begleitet mich immer.

Unten ist die hübsche schwarz-samtige Knospe einer Esche. Sie ist die einzige heimische Baumart, die solch dunkle Knospen besitzt. Ihre Form gleicht einer Zwiebel-Kirchturmspitze. Die Esche war die erste Knospe die ich in meiner Ausbildungszeit kennengelernt habe. Sie ruft schöne Erinnerungen in mir wach.

Aber kommen wir endlich zum Thema. Denn ich habe noch was ganz bestimmtes vor ...
Die Abbildung unten zeigt die Knospen einer Pappel im Winter.

Schnell werfe ich noch einen Blick auf meine Enkelin. Sie durfte uns heute auf unserer Erkundungstour begleiten. Sie ist dick in ein Schaffell eingepackt und schläft tief und fest. Ich habe also genug Zeit, ganz viele Knospen der Pappel zu sammeln. Das ist gar nicht so einfach, denn sie hängen ziemlich hoch.

Der Teller ist voll - genug für mein Vorhaben.

Die Pappelknospen werden in einem Mörser zerstoßen und in Oliven oder Weizenkeimöl angesetzt. 2 Wochen lang müssen sie nun an einem warmen, hellen Platz ziehen. Dann werden sie abgegossen und gut ausgedrückt.

Und heute geht es ans Werk:
  • Bienenwachs
  • Pappelauszugsöl
  • Ringelblumentee
  • Lanolin (= Wollfett. Ich bekomme es von der Apotheke, da ist es pestizidfrei).
  • einige Tropfen ätherisches Rosmarinöl. Pappelknospen haben einen sehr harzigen Geruch. Da würde ein süßes Duftöl nicht passen.
Alles wird im Wasserbad geschmolzen, gut gerührt, abgefüllt und abgekühlt.

Fertig ist eine Fett und Feuchtigkeit enthaltende Creme, die Hände nach einem Rosenschnitt auf wunderbare Weise pflegt und heilt - meine Pappel-la-Papp.

Zum Schluss möchte ich euch noch eine meiner Lieblings-Buchautorinnen und ihr Buch von den Bäumen vorstellen:
Susanne Fischer-Rizzi: "Blätter von Bäumen".

Vielleicht habt ihr auch schon etwas von ihr gelesen.
In der Schule habe ich gelernt, wie Bäume aussehen und welche Ansprüche sie an Standort und Klima haben.
Von diesem Buch habe ich etwas von der Seele und der Heilkraft der Bäume erfahren. Es enthält viel Wissen unserer Vorfahren und ist spannend und unterhaltsam geschrieben.
Die Anregung für die Pappelcreme habe ich aus diesem Buch entnommen, die Zusammensetzung "meiner" Pappel-la-Papp stammt jedoch von mir.

Kommentare:

Elke / Miyelo hat gesagt…

Hoch interessant! Von Pappelöl habe ich vorher noch nie gehört. Susanne Fischer-Rizzi kenne ich durch die Aromatherapie. Da hat sie auch ein schönes Buch geschrieben. Pappelsamen finde ich fürchterlich. Da tust du ein gutes Werk, wenn du die Knospen erntest. Wobei, du sammelst ja Blattknospen - also dann hilft es nichts gegen die Allergieauslöser.
Aber immerhin den Händen :-)
Herzliche Grüße
Elke

Lis hat gesagt…

Deine Beiträge sind immer sehr informativ und doch recht unterhaltsam. Ich tu mir schon schwer Bäume im Sommer bestimmen zu können, aber im Winter würde ich gerade mal eine Platane erkennen!
Viel Erfolg mit deiner Creme und dass du sie nicht so oft benutzen musst!
Lg Lis

HaBseligkeiten hat gesagt…

Liebe Anne,
seit einiger Zeit schleiche ich immer um das Buch "Mit der Wildnis verbunden" v. S. F.-R. herum. Gekauft hab ich es mir aber noch nicht.Wenn ich Deinen post lese bekomm ich gerade Lust dazu.
Mit Deinem "Pappel-la-Papp" Beitrag hast Du bei mir ins Schwarze getroffen - wunderbar eingeleitet, mit interessanten Neuigkeiten. Da werd ich doch mal schauen,nach den katzenpfötigen Escheknospen und ob ich an die hohen Pappeln komme - einige stehen auch bei uns im Wald. Hätte viel Lust die Creme selbst anzurühren, Fett u. Feuchtigkeit braucht meine Haut ab 40 ;)
Liebe Grüße und eine schöne Woche,
Heidi

Anonym hat gesagt…

Liebe astrantia,

wie immer wunderbare und schöne Dinge, an denen du uns teilhaben lässt - danke dafür!

LG
Akaleia

Birgit hat gesagt…

Wahnsinnig interessant Dein Pappel-la-Papp-Creme-Rezept. Der ganze Post ist super und informativ. Das Büchlein samt Autorin werde ich mir notieren. Vielen Dank für die tollen Tipps.
LG, Birgit

Bek hat gesagt…

Interessant und was man da zwischendurch alles lernt.... LG, Bek

Astrantia im Garten hat gesagt…

Hallo,
Elke, das Aromatherapie´buch habe ich natürlich auch. Und ich kann dich trösten, meistens erwische ich Blütenknospen. die sitzen ganz vorne in der Spitze.

Lis, wenn man es einmal gelernt hat, ist es leichter, die Bäume im Winter zu bestimmen. Natürlich muss man da auch noch ein paar andere Erkennungsmerkmale wissen.

Heidi, das neueste Buche von S.F-R. habe ich noch nicht. Es ist doch recht teuer. Früher hat der Verlag eine Taschenbuchausgabe herausgegeben, die hat nur die Hälfte gekostet und es steht das gleiche drin.Aber Lust hätte ich schon auf das neue Buch.

Wenn ihr wirklich die Salbe selbst einmal ausprobieren wollt, stelle ich mal das Rezept ein.
Gute Nacht, Astrantia

Margit hat gesagt…

Eines meiner Lieblingsbücher stellst du hier vor, schön! In meinem Schrank sind auch noch einige andere von Susanne Fischer-Rizzi, die ich immer wieder gerne lese.
Deine Salbe könnte ich auch gut gebrauchen. Jedes Jahr nehme ich mir vor, eine Pappelsalbe zu machen, die ich schon aus Kindheitstagen kenne, aber nie schaffe ich es.
Die Fähigkeit, Bäume anhand der Knospen zu bestimmen, bewundere ich wirklich. Von soviel Kenntnis bin ich noch weit entfernt!
Liebe Grüße, Margit

Ute hat gesagt…

Liebe Anne,
ich kann mich den anderen nur anschließen. Du berichtest nicht nur interessante Dinge, du verpackst sie auch noch in so schöne Geschichten. Das gefällt auch mir. Das Rezept der Pappel-la-Papp macht Lust zum Nachmachen. Ich habe vor Weihnachten mit meinem Sohn zum ersten Mal Ringelblumensalbe (auch für die Hände) selber gerührt. Das hat uns beiden viel Spaß gemacht, aber wenn man auch noch die Zutaten selbst gesammelt hat, ist es bestimmt noch schöner.
Viele Grüße von Ute

Wurzerl hat gesagt…

Liebe Astrantia,
meine Vorschreiberinnen haben eigentlich alles nötige bereits formuliert. Ich füge einfach meine Bewunderung hinzu, daß Du ein so knospiges Thema so aufgeblüht excellent servierst!!! Vielen Dank, der Post hat mir viel Freude gemacht.
Lieber Gruß vom Wurzerl

Wurzerl hat gesagt…

Liebe Astrantia,
der Fingerhut bei der Alchemilla ist Digitalis ferruginea, mehrjährig, gut aussamend.
LG Wurzerl

SchneiderHein hat gesagt…

Liebe Anne,
auch wenn jetzt bestimmt schon diese energiegeladenen Knospen aufgebrochen sind, so bin ich trotzdem noch von Deinem Post begeistert! Aber das liegt wohl auch daran, dass ich gern im Winter durch unseren Garten spaziere und die Knospenansätze in möglichst vielen Stadien von Bäumen und Sträuchern fotografiere. Und in diesem Jahr habe ich durch das eisige & regnerische Wetter schon wieder so viele schöne Motive im März verpasst.
Liebe Grüße
Silke

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