Freitag, 14. März 2008

Gibt es eigentlich noch den Palmhasen?

Heute morgen bin ich sehr früh aufgewacht. Draußen war es noch dunkel und es regnete. So hatte ich noch etwas Zeit, mich im Bloggerland umzuschauen.
Irgendwann bin ich auf die Seite von 'Fuchsienrot' gestoßen. Von dort wurde man auf ein herrliches Video weitergeleitet:

Zum Videotipp von Fuchsienrot, 12.3.08, Hasenzivilisation

Und plötzlich beschäftigte mich die Frage: Was ist eigentlich aus dem Palmhasen geworden? Kennt noch jemand diesen Gesellen?
Der Palmhase kam in meiner Kindheit immer an Palmsonntag, also am Sonntag vor Ostern. Am Morgen eilten wir hinaus und schauten nach, ob er schon da war. Wir wurden nie enttäuscht - immer legte er ein braunorangenes Ei in ein Nest, das wir am Abend zuvor aus Backsteinen gebaut hatten.

Ob er wohl immer noch kommt?
Ich schlich mich heute Abend in der Dunkelheit in den Garten. Vorbei an den Osterglocken ...

... und tatsächlich, ich fand ein Nest, genauso wie ich es in meiner Kindheit gefunden habe: aus Backsteinen gebaut mit 2 Eiern

Zugegeben, einen Tag zu früh - aber vielleicht musste das fleißige Tier noch ein bisschen üben.
Am Sonntag werden sich sicher unsere beiden Enkelkinder darüber freuen.

Nun wollte ich der Sache aber mal auf den Grund gehen:
warum das Nest mit diesen gefärbten Eiern?

Es hat etwas mit der Fastenzeit zu tun. Zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag war es verboten Fleisch zu essen. Und Eier galten als flüssiges Fleisch.
Dummerweise legen aber gerade in dieser Zeit die Hühner viele Eier. Also kochte man sie ab, und gab ins Kochwasser natürliche Färbemittel aus Küche und Garten. So konnte man sie von den frischen unterscheiden. Am Palmsonntag, der ja auch ein "kleiner" Feiertag ist, gab es schon mal einen Vorgeschmack auf Ostern.

Diese hartgekochten Eier hier wurden für 12 Stunden in ein Zwiebelschalenbad gelegt.

Sind das nicht herrliche Palmeier? Greift zu, sie sind auch für euch.

Übrigens: uns Kinder aus Rheinhessen konnte man nicht so leicht hinters Licht führen. Wir kannten einen schönen Abzählreim, passend zur Osterzeit:

Ich waas, was ich waas.
e Hinkel is koon Has.
Die Mudder färbt die Ajer
un de Vadder leht se ins Gras.

(Ich weiß, was ich weiß. Ein Huhn ist kein Hase. Die Mutter färbt die Eier und der Vater legt sie ins Gras!)

Ach ja, noch was: Ratet mal, was es heute bei uns zu Essen gab.

Zwiebelsuppe!

Einen schönen Palmsonntag wünscht Astrantia.

Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Diesen originellen Brauch des Palmhase kennen wir hier gar nicht. Schön, dass du ihn deinen Enkeln bekannt machst und sie alte Traditionen erleben dürfen. Ich frage mich, weshalb das Nest aus Backstein sein "musste"? Symbol für das Haus etwa?
Ein erholsames Wochenende wünsche ich dir und grüsse dich herzlich,
Barbara

Lis hat gesagt…

Dieser Brauch ist bei uns auch gänzlich unbekannt, aber man so alt werde wie eine Kuh und lernt doch immer noch dazu! *lol*
Schönes Restwochenende, ich werde jetzt in den Garten abtauchen
LG Lis

Wurzerl hat gesagt…

Liebe Astrantia, in Bayern gibt es keinerlei Palm-Hasen, das würde bei uns prompt unter "Wolpertinger" fallen. Ich finde den Brauch aber sehr schön, und freue mich immer, wenn Brauchtum aufrecht gehalten wird.
Wir haben als Kinder immer ein sehr aufwendiges Nest mit Naturmaterialien gebaut (Moos, Zweigen, Blumen, Steinen, Muscheln,), aber erst am Ostersonntag durfte der Osterhase herbeigepfiffen werden. Als mein Bruder es einmal wagte, ein paar Tage früher zu pfeifen, da lagen nur Kartoffeln im Nest.
Aber bei uns schaut jeder, daß er nicht als letzter am Palm-Sonntag aufsteht, damit er nicht zum Palm-Esel mutiert. Außerdem muß ja der Palmbuschen zur Kirche gebracht werden, damit der Herrgottswinkel, oder eine andere dafür vorgesehene Ecke, einen geweihten Schmuck bis zum nächsten Osterfest bekommt.
Ich hoffe, Deine Zwiebelsuppe war gut, sie sah jedenfalls sehr lecker aus.
Liebe Wochenendgrüße vom Wurzerl

Bek hat gesagt…

Von Palmhasen habe ich bisher noch nie etwas gehoert. Den Brauch finde ich aber sehr interessant. Auch Wurzerl's Palmesel ist mir nicht bekannt..
LG, Bek

Fuchsienrot hat gesagt…

Vielen Dank für deinen Besuch und deinen lieben Kommentar in meinem Blog. Dieser Brauch mit den Palmhasen ist mir auch ganz unbekannt, obwohl wir doch gar nicht so weit voneinander entfernt wohnen. Aber den Abzählreim kenne ich auch und unsere Dialekte sind anscheinend gar nicht so verschieden, bei uns hört sich der ganz ähnlich an.
Ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich dich zum schnelleren Wiederfinden bei mir verlinke...
Für dich auch einen schönen Palmsonntag und liebe Grüße
Angelika

Elke hat gesagt…

Hallo Astrantia,
ich wohne zwar in Hessen und der Rhein ist nicht weit, aber diesen Palmhasen kannte ich wirklich nicht. Scheint kein Frankfurter Brauch zu sein. Auch dein Dialekt klingt fremd in meinen Ohren (verstanden habe ich ihn natürlich schon). Übrigens das Nest aus Backsteinen finde ich originell. Da noch ein Osterbrot dazu legen und schon darf gefrühstückt werden.
Herzliche Grüße
Elke

Astrantia im Garten hat gesagt…

Ja, ja der Palmenhase war heute wirklich da. Ich bin erstaunt,dass ihn so wenige hier kennen. In meiner Heimat kennen ihn fast alle - sofern sie auch hier geboren sind.

Barbara, ja dieses rustikale Nest MUSSTE sein. Die Nester wurden jedes Jahr im Arbeitsbereich zwischen Hühner- und Kuhstall aufgebaut (ich bin auf einem Bauernhof groß geworden). Sie mussten sehr, sehr stabil sein. So stabil, dass sie nicht beschädigt wurden, wenn der Bauer oder die Bäurin am frühen Morgen bei der Arbeit versehentlich reingetreten wären.

Wurzerl, es hat mir viel Freude gemacht, über eure eigenen Osterbräuche zu hören. Aber weißt du was, so schlimm ist es gar nicht ein Palmesel zu sein. Schließlich symbolisiert er den gewaltlosen Friedenskönig und die Bescheidenheit (na ja, für Kinder wahrscheinlich keine erstrebsamen Tugenden).

Fuchsienrot und Elke: mit dem Dialekt ist das so eine Sache. Ich habe aber schon öfters gehört, dass wir uns wie die "echten" Hessen anhören.
Gruß Anne

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