Dienstag, 12. Februar 2008

Schlosspark Schwetzingen im Vorfrühling

Wer besucht schon gerne Gärten im Februar?
Ich!
Im Rahmen einer Fortbildung habe ich mit 10 weiteren Frauen am 12.02.2008 eine Führung vom Feinsten erleben dürfen.
Schwetzingen liegt im Nordwesten des Landes Baden-Württemberg, ca. 10 km von Heidelberg entfernt. Das Wetter war uns milde gestimmt und verwöhnte mit strahlend blauem Himmel.

Dank unserer überaus kompetenten Führerin haben wir unser Wissen um einiges erweitern können:

Der ältere Teil des Schlosses mit seiner breit angelegten Sichtachse.

  • z.B. wann, warum und vom wem das Schloss erbaut und wann der Garten zu diesem Ausmaß erweitert wurde (Link zur Geschichte).
  • z.B. haben wir etwas über die Philosophie und Ideenquellen des Parks erfahren. (Link)Ich kenne nun auch den feinen Unterschied von Barock und Rokoko-Gärten. Das hat uns unsere Gartenführerin sehr verständlich erklärt.

Eine orientalische Welt offenbarte sich uns im hinteren Teil des Gartens. Die Sonne stand bei unserem Besuch so günstig, dass die ganze Anlage mir wie ein verwunschenes Märchenschloss erschien. Im Garten dieser Moschee erfreuten mehrere ältere, blühende Exemplare der Zaubernuss (Hamamelis).


Spätestens hier hat man überall den bereits sprießenden Bärlauch entdeckt.
B Ä R L A U C H um diese Zeit!? (zuhause werde ich wohl noch Wochen auf diesen Genuss warten müssen).
Mehrere Gartenbereiche des Schlossparks stehen thematisch und architektonisch in Bezug zur griechischen Antike. So z.B. der Apollotempel.

Ein paar Meter weiter gelangte man zum privaten Badehaus des Kurfürsten Karl Theodor, dem das Schwetzinger Schloss diesen schönen Garten verdankt.
Das Badhaus
Direkt hinter dem Badehaus befand sich für mich ein weiterer Höhepunkt des Gartens, der Badhausgarten. Hier ist ein überdimensionales hölzernes Klettergewächselement (sogenannte Trellien - wie ich von einer Leserin später erfuhr) aus Holzlatten aufgebaut worden, an dem wilder Wein empor rankt.

In der Mitte dieses Badhausgartens befindet sich ein Brunnen, der von Wasser speienden Vögel umgeben ist. Sie bespucken einen eisernen Uhu, der im mittleren Bassin sitzt und einen toten Fasan in den Fängen hält. Das Thema des Brunnens geht auf eine Fabel von Äsop zurück, die vom Zorn der guten Vögel über den bösen Uhu handelt.


Einer der vielen Vögel, die rund um den Brunnen angeordnet sind und von Frühjahr bis Herbst Wasser speien. Übrigens, laut unserer Führerin soll es in der warmen Jahreszeit im Park aus allen Ecken und Rohren sprudeln und "spucken".
Am Ende des hölzernen Korridors befindet sich das Bild einer Flusslandschaft. Im Volksmund wird es als "Ende der Welt" bezeichnet.
Im Teil des Englischen Landschaftsgartens haben Elfenkrokusse einen Teppich gewoben.
Ein stolzer Pfau wollte trotz unserer intensiven Bemühungen sein Rad nicht für uns schlagen.

Fast am Ende unseres Ausfluges werfen wir noch einmal einen Blick auf den Apollotempel. Hier soll es im Sommer besonders schön blühen - Grund genug, noch einmal in der warmen Jahreszeit zurückzukehren.

Viele Bilder kann ich nicht veröffentlichen und viele Eindrücke bleiben unausgesprochen. Es würde den Rahmen hier sprengen. Falls ich euch einen Tipp geben kann: besucht den Park selbst einmal, es lohnt sich in jedem Fall!
Am Ausgang des Schlosses wartet schon eine tüchtige Bauersfrau mit ihrem Spargel auf uns. Auf den "echten" Spargel jedoch, müssen die Schwetzinger noch ein paar Wochen warten.


Astrantia - zurück im eigenen Garten

Kommentare:

Lis hat gesagt…

Ah, da hast du ja einen tollen Ausflug gemacht. Eigentlich kann ich mit solchen Gärten nicht viel anfangen, sie sind mir einfach zu streng. Der Weikersheimer Schlossgarten ist ähnlich angelegt, aber obwohl er nur 12 km von uns weg ist zieht es mich da nicht hin.
Die Krokuswiese dagegen, gefällt mir da schon viel besser und gegen einen echten Spargel hätte ich auch nichts einzuwenden :-))
LG Lis

Barbara hat gesagt…

Wunderschön! Ich besuche auch zu jeder Jahreszeit Gärten, man sieht, lernt und entdeckt immer etwas. Die hölzernen Trellies ist ja richtige Handwerkskunst, so schön! In französischen Gärten/Parks sieht man diese auch häufig. Danke für das Mitnehmen in diesen interessanten Schlosspark
LG;Barbara

Hillside Garden hat gesagt…

Ich war ja auch schon einmal da, im Mai und habe mir vorgenommen, mit Mr. W. nochmals hinzufahren, er war damals nicht von der Partie. Der Park ist schön, allerdings formal.

Sigrun

stadtgarten hat gesagt…

Toll, Dein Bericht vom Schwetzinger Schloßpark. Und warum sollte man schöne Gärten nur im Frühjahr oder Sommer besuchen???
Ist ja Wahnsinn, dass sich der Bärlauch dort schon blicken lässt, hier tut sich bis jetzt noch nichts.Aber lange kann es bei dem Wetter wohl auch nicht mehr dauern!
Liebe Grüße, Monika

Wurzerl hat gesagt…

Von Schwetzingen kannte ich bisher nur den Spargel. Du hast meinen Horizont eindeutig erweitert mit den schönen interessanten Bildern des Schlossparks. Ich hoffe, ich schaffe es mal,diesen Barockgarten zu besuchen.
Liebe Grüße vom Wurzerl

Bek hat gesagt…

Schoen! Mir gefallen auch formale Anlagen sehr gut. Wenn man Gaerten eben nicht zur Hauptsaison besucht, kann man ja seine Fantasie einschalten, wie es wohl begruent und blumig im Sommer aussehen wuerde.
LG, Bek

Astrantia im Garten hat gesagt…

Das ist ja der Reiz an einem formalen Garten, dass er auch im Winter noch was hermacht.
Was auch spannend ist: im Winter erkennt man die Struktur der in Form geschnittenen Linden. Diese blattlosen BÖgen und Rechtecke sind sehenswert.
Für alle, die den Schwetzinger Schlossgarten noch nicht kennen: der Garten besteht wahrhaft nicht nur aus einem formalen Teil.
Es gibt auch noch die versteckten, natürlich gestalteten Gartenräume, wie z.B. der Garten um die Moschee, in dem es schon herrlich blühte, oder der Ruinengarten, der englische Landschaftgarten mit Arboretum, und noch mehr gigantische Klettergestelle aus Holz. Wenn die erst wieder mal begrünt sind ... Ehrlich, wir hatten eine über zwei stündige Führung und ich habe längst noch nicht alles vom Garten gesehengesehen. Und das Innenleben der vielen kleinen "Schlösschen" sind laut Internetversprechungen sowieso nochmal eine Reise wert ... nicht nur weil auf dem Weg dorthin interessante Gärtnereien liegen (zwinker).

Barbara, das Wort Trellie kenne ich gar nicht. Kannst du mir mehr darüber erzählen?
Gruß Anne

Margit hat gesagt…

Schön! Ich finde Gärten auch zu jeder Jahreszeit besuchenswert. Da lässt sich immer etwas lernen. Im Winter tritt ja die Struktur eines Gartens ganz besonders in den Vordergrund.
Der "hölzerne Korridor" ist wunderschön. Aber am liebsten hätte ich jetzt die saftig-grünen Bärlauchblätter...
Liebe Grüße, Margit

HaBseligkeiten hat gesagt…

Das Schwetzinger Schloss weckt alte Erinnerungen in mir, vor vielen vielen Jahren war ich im Schullandheim in Heidelberg und das Schloss stand auch auf unserem Programm. Nur ein Foto mit kichernden Mädels vor einem Schwetzinger Brunnen sind noch in Erinnerung. Schön, mit Dir nochmals das Schloss zu besuchen, früher hab ich mich noch nicht so für die Botanik und die unterschiedlichen Epochen interessiert.
Ein schönes Wochenende wünscht Dir Heidi

Wurzerl hat gesagt…

Liebe Astrantia, darf ich Deine Frage an Barbara,stellvertretend versuchen, zu beantworten. Trellies (Treille = lat./franz.) ist das kunstfertige Gitterwerk, das Du sehr schön in Deinen Fotos zeigst. Es kann ein Durchgang, ein Zaun sein, aber es ist immer ein Gitterwerk. Mit diesem Hilfsmittel kann man auch Gartenräume , anstelle einer Hecke abtrennen.
Lieber Gruß vom Wurzerl

guild-rez hat gesagt…

Ein herrlicher Rundgang durch einen schoenen, alten Schlossgarten.
Ich denke, dass Gärten zu jeder Jahreszeit etwas reizvolles zu bieten haben. Es ist die Natur, die mich immer wieder beeindruckt.
Dann bemerkte ich den grünen Bärlauch, der dort schon seine grünen Blätter zeigt. Da ist mein Lieblingskraut und wächst auch in unserem Guildwood Park.
Gefallen hat mir das Display mit der Spargelfrau am Ausgang.
LG aus Toronto Canada

guild-rez hat gesagt…

Anne,
vielen Dank für Deinen Kommentar auf meinem Blog. Der Baumbestand in unseren Parks, Strassen und Gärten besteht überwiegend aus Eschen.
Wenn es wirklich zu einem totalen Eschen Baumschnitt in Toronto kommt, haben wir einen schweren Eingriff in die Natur und unser tägliches Leben. Unser Haus ist umgeben von fünf 40-50m hohen Eschen. Eine sehr traurige Geschichte.

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