Dienstag, 26. Februar 2008

Jenseits vom Ballermann - fast in Eden

Wer nur an den "Ballermann" denkt wenn er Mallorca hört, hat die sogenannte "Hausinsel" der Deutschen noch nicht richtig entdeckt. Am 17. Februar 2008 sind wir zu Acht von Frankfurt aus abgeflogen. Geplant war eine 8-tägige Entdeckungs-, Rad- und Wandertour. In diesem Bericht werde ich mich fast ausschließlich mit der Flora von Mallorca beschäftigen - so wie ich sie gesehen habe.

Mandelblüte in Mallorca

"Wir haben alles richtig gemacht", so lautete unser Urlaubsmotto. Und wirklich:
- das Wetter war sehr milde - wir hatten meistens Sonnenschein. Das Wasser war zum Baden zu kalt, aber ich bin auch keine Wasserratte und hatte eh den Badeanzug vergessen (zwinker)
- es war noch nicht so viel los und man fand durchaus einsame Plätzchen
- und: die Mandelbäume blühten.

Oliven, Palmen, Zitrusbäume



Hohe, mittlere und die ganz niedrige Palmen. Letztere besiedeln ganze Berghänge.

Wer kennt nicht die leckeren Tapas, die in Spanien als Häppchen serviert werden. Mein absoluter Favorit: Eingelegte Datteln mit einem gebratenem Speckmantel. Hmmm....

Die Wilden


Thymian, Ginster und blühende Levkojen besiedeln den Berghang...


... und überall Wolfsmilch(oben: Euphorbia amygdaloides, unten E. squamigera - strauchig wachsend mit roten Stängel)


Currykraut, Rosmarin, Ackerringelblume und Kugelblume begegnen uns häufig. Der hängende, dunkelblau blühende Rosmarin war in den Bergen sehr verbreitet.

Und da, wo es feucht genug war, blühte auch das Riesenknabenkraut (Barlia robertianum)


Ein weiterer Höhepunkt: Beginn der Zistrosenblüte.


Die "Gärten" der Berdörfer

Auf Mallorca gibt es ganz reizende Bergdörfer. Sie haben meistens enge steile Gässchen und es gibt nicht viel Platz. Dennoch, auf ihre Blumen wollen die Mallorciner nicht verzichten und so wird jeder Quadratzentimeter ausgenutzt. Und wo der Platz nicht reicht, werden die Blumentöpfe an die Wände gehängt. Das hat mir so gut gefallen, dass mein Staunen und mich Freuen gar nicht mehr aufhören wollte.

Jeder der mich kennt, weiß, dass mir beim Anblick von Aeonien der Atem ins Stocken gerät. Und wenn sie dann auch noch blühen ...

Wo derPlatz immer noch nicht reichte, wurde er geschaffen.


Selbst der Sinn für Humor geht in dieser Enge nicht verloren: ein radelnder Garten.
Und selbstverständlich werden "leere" Mauern begrünt.

Hornklee, Euphorbien, Bugainvillea

Die Ausgewilderten

Sicherlich waren die Eltern der folgenden Pflanzen einmal für Kübel oder den Hausgarten bestimmt. Aber Mittagsblumen, die nach Veilchen duftenden Freesien, Kapmagariten, Aeonien und Terzetten haben sich nicht in ihre Schranken weisen lassen, haben sich aus ihrer Enge befreit und sich putzmunter vermehrt.


Der Botanische Garten von Soller


In diesem Garten habe ich viel Zeit verbracht. Meinem geduldigen Gatten und seinem Buch verdanke ich, dass dieser Besuch ein weiterer Höhepunkt der Reise wurde. Gleich an der Pforte überraschten mich zwei überaus schöne Klettergewächse:
Die blau/weiße (2 Pflanzen) ist eine Handerbergia violacea. Bei uns werden sie im Januar als blühende Kübelpflanzen angeboten. Jetzt habe ich endlich ihren Namen erfahren. Auf der Insel habe ich den Kletterer bereits in einem Bergdorf kennengelernt (oben rechts).

In Orange: Pyrostegia venusta, oder die Feuerranke

Im Garten wurden überall kleine Hochbeete aus Steinen oder Holz angelegt. Diese Idee werde ich sicherlich noch für meinen eigenen Garten verwerten können.
Noch ein Sahnestückchen: der Sukkulentengarten. Soviele grüne, grüngelbe und graueFarbnuancen, solch eine Formenvielfalt, solch eine abwehrende Bestachelung ... und alle Pflanzen waren im Topp-Zustand.


Und wieder Euphorbien: E. atropurpurea und E. mysinithes.


... noch ein paar Schönheiten und dann ...

In diesen heil'gen Hallen


Von einer (zu diesem Zeitpunkt) einsamen Bucht ging es zu einem Platz, der wie eine Riesenhalle wirkte. Die Stille, die Einsamkeit und die gewaltige Natur waren ein solch großes Erlebnis, dass ich Gänsehaut bekam. Und dann ...
... am Ende der "Halle": eine Wiese mit blühenden Märzenbecher. Die hübschen Frühlingsblüher begleiteten uns bis zum Ziel unseres Ausfluges. Als die Schlucht immer enger wurde und man nur noch mit Seilen weiterkam, klettern wir über Riesengeröllsteine zurück ans Meer. Jetzt war keine Menschenseele mehr da.

Hier sind wir Eden sehr nahe gekommen.


Kommentare:

Lis hat gesagt…

Du liebe Güte Astrantia, da weiß man ja gar nicht wo man zuerst hinschauen soll! Das sind ja tolle Fotos von einem ganz anderen Mallorca und sie haben mit Ballermann absolut nichts zu tun. Alleine die Fotos von der Mandelblüte wären schon eine Reise wert. Hach, ich muß sie mir gleich nochmal anschauen und danke für's zeigen :-)
LG Lis

Anonym hat gesagt…

Liebe Astrantia, ein wundervoller Bilderbericht.
Ich glaube die Reise hat deine Erwartungen weit übertroffen und wieder mal den Blick über den Tellerrand hinausschweifen lassen - was Du als interessierter und offener Mensch für dein weiteres Schaffen als Bereicherung empfindest, nicht wahr?
..."fast in Eden" hat den Nagel auf den Kopf getroffen...
Danke für den schönen Reisebericht!
LG
Akaleia

Barbara hat gesagt…

Wunderschöne und auch sehr interessante Bilder, die du toll zusammengestellt hast, zeigst du von dieser mir noch unbekannten Insel. Man sagt, dass im Frühling Mallorca am schönsten sei...mit all dem üppig Blühenden. Da hast du es ja super getroffen auch mit dem Wetter. Ein paar wenige Bilder kommen mir sehr vertraut vor, da ich ähnliche (nur viel weniger, da wir Regen und Wind hatten) in Portugal gemacht habe (demnächst mal in meinem blog). Es war schön mit dir auf diese Reise zu gehen und Neues, Unbekanntes zu sehen....ich habe es sehr genossen!
Liebe Grüsse,
Barbara

Naturwanderer hat gesagt…

Hallo Astrantia, ich bin auch noch ganz beeindruckt von der Fülle der gezeigten Schönheiten. Auch wir hatten, als wir dort waren, eher die stillen Seiten gesucht und gefunden. Da wurden Erinnerungen wach.....
Wer bei Mallorca nur an Ballermann denkt und sucht, hat selber Schuld, es gibt sie noch, die schönen Orte, in denen man sich wie in Eden fühlt.
Danke, für den wunderschönen Spaziergang,
lieber Gruß
von Edith

Birgit hat gesagt…

Ich war noch nie auf Mallorca, aber ich habe oft gehört, dass diese Insel mehr zu bieten hat als Ballermann. Einen wunderschönen Bildband habe ich schon mal angesehen. Aber Deine Bilder sind ja einfach traumhaft. Die locken schon sehr. Diese wunderschönen Bergdörfer, die Mandelblüte. Alles einfach wunderschön. Vielen Dank, dass Du uns mit diesem Post mal zu einem ganz anderen Mallorca geführt hast.
LG, Birgit

Wurzerl hat gesagt…

Liebe Astrantia, Du überschüttest uns mit einer Blütenfülle, wunderbar. Wenn es Anfang nächster Woche wieder schlechter wird, komme ich auf Deinen Post zurück, um mich aufzuwärmen. Von den Natternköpfen hat jetzt wohl nur der Blaue geblüht?
Ich danke Dir jedenfalls für die vielen schönen Eindrücke dieser Insel.
Lieber Gruß vom Wurzerl

Margit hat gesagt…

Liebe Anne, ich bin völlig hingerissen von deinen traumhaften Bildern. Nie im Leben wäre ich auf die Idee gekommen, dass es auf Mallorca solche Schätze gibt. Ich weiß gar nicht, was mir mehr gefällt: Die betopften Hauswände, die "Heiligen Hallen", die knorrigen alten Olivenbäume oder doch die Ausgewilderten? Welch Glück, dass ich mich nicht entscheiden muss und alles immer wieder anschauen kann!
Nachdem wir unsere Urlaube in Zukunft auch in den Wintermonaten verbringen werden - die Liebe zum eigenen Garten bringt das so mit sich -, werde ich mir Mallorca im Februar schon mal ganz dick zu meinen Favoriten notieren.
Danke für die viele Mühe mit dem schönen Bericht - ich werde mir sicher noch einige Male die wunderbaren Bilder zu Gemüte führen.
Schön, dass du wieder da bist,
liebe Grüße, Margit

Bek hat gesagt…

Ich seh mir diesen Post jetzt auch schon mehrmals an und hab noch nicht genug davon:) Die Mandelbluete ist wirklich etwas wunderschoenes. Anscheinend ist der Winter die beste Reisezeit fuer Mallorca?

stadtgarten hat gesagt…

Astrantia, das sind ja tolle Bilder und Eindrücke, die Du aus "Malle" mitgebracht hast. Ich hätte nicht gedacht, dass es im Februar dort schon so schön blüht.
Das wäre auch mal ein Reiseziel für Andreas und mich zu dieser Jahrszeit (allerdings kommen wir dann mit Fastnacht in die Bredouille (schreibt man das so?))
Ich war vor x-Jahren mal Anfang Mai auf Mallorca, das war auch toll, aber ich stelle immer öfters fest, dass Reisen im Winter mir fast besser gefallen als im Sommer.
Liebe Grüße, Moni

Monika hat gesagt…

Astrantia, deine Fotos machen Lust auf Urlaub. Mein Urlaub auf Mallorca war leider in der heißesten Jahreszeit. Jedoch hab auch ich noch die kleinen Gässlein mit liebevollen Töpflein in Erinnerung. Hab mir damals dann in einem klitzekleinen Dorfladen von diesen Topfhalterungen (mit Zeichensprache - grins) gekauft.
Gibt es die E. atropurpurea auch bei uns und ist sie winterhart ?
Liebe Grüße Monika

Astrantia im Garten hat gesagt…

Hallo Monika,
die Euphorbia atropurpurea ist ein Kind der Kanaren. Persönlich habe ich noch keine Erfahrungen mit ihr in meinem Garten. Aber keine Staudengärtnerei meines Vertrauens bietet diese Pflanze an. Da sie sehr schön ist und man sie garantiert längst entdeckt hat, nehme ich an, es liegt an der fehlenden Winterhärte.
Schade.
Liebe Grüße Anne

Elke hat gesagt…

Boah - ist das schön!
Liebe Astrantia,
herzlichen Dank für diese wunderbaren Fotos. Heute habe ich schon viereckige Augen, aber morgen werde ich mir die Bilder nochmal in aller Ruhe ansehen. Ich habe ja schon oft gehört, dass Mallorca im Frühling so schön sein soll, aber das haut mich jetzt wirklich um.
Ich wünsche dir noch einen schönen Abend - herzliche Grüße
Elke

Landladyscraftsandgardening hat gesagt…

oh wie schön....wir waren vor 10 Jahren da - unsere Flitterwochen, ganz bewußt in den Bergen, in Soller...träum...danke für die schönen Fotos! Erweckte viele Erinnerungen...Chrissi

Marcel aus Cala Ratjada hat gesagt…

wunderschöne bilder. da wird man direkt neidisch, dass man sowas nicht sieht bzw noch nicht gesehen hat!

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