Sonntag, 27. Januar 2008

Topinambur - oder mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Von einer lieben Gartenfreundin habe ich einmal Topinamburknollen bekommen. Ich habe sie im obersten Teil meines Gartens, direkt am Zaun zum Hühnerstall, verbuddelt. Dort dürfen sie getrost wuchern.
Topinambur (Helianthus tuberosus) oder Erdbirne, Erdartischocke und Jerusalemartischocke ist mit unserer Staudensonnenblume verwandt. Sie wird sehr hoch (über 2 m) und blüht relativ spät.

Und wie gesagt: sie wuchert. Im Sommer bildet sie an dünnen unterirdischen Ausläufern längliche, spindelförmige Knollen, aus denen im nächsten Frühjahr wieder neue Pflanzen wachsen ... wenn man sie vorher nicht auf-isst. Die Knollen sollen sehr gesund sein und sie schmecken lecker. Einmal im Winter fahre ich mit Schubkarre, Heckenschere, Spaten und Gemüsekorb in Richtung Hühnerstall zum Topinambur. Zuerst ist Rückschnitt der Staude angesagt. Dann kommt der Spaten zum Einsatz. Schnell sind die Knollen gefunden.
Oje, besser gesagt "Knöllchen". Letzten Sommer hatte ich es schon geahnt - die Pflanze hat sich nicht so gut entwickelt - lag es an fehlender Feuchtigkeit oder braucht sie mal eine ordentliche Portion Kompost?
Trotzdem: einmal im Jahr gönne ich mir den Spaß: voilà:
Die Wurzeln werden gewaschen, geschrubbt und grob geschält. Ganz schön zeitaufwendig! Die kleinen"Birnchen" sind gerade mal so groß wie Walnüsse.
Aber alle sind weiß, saftig und weisen keine Schad- oder Fraßstellen auf. Sie bleiben auch bei klirrendem Frost in der Erde und sollten immer nur frisch, bei offenem Boden geerntet werden.
Heute habe ich mir einen Rohkostsalat vorgenommen.
Das Gemüse wird zusammen mit zwei Möhren und einem Apfel in eine Joghurtsoße (Zutaten nach eigenem Geschmack) gerieben, die ich mit etwas Ingwer verfeinert habe.
Abgerundet wurde das ganze mit Kräutern aus dem Garten (siehe vorheriger Blog) und gerösteten Sonnenblumenkerne.
Angerichtet auf einem Feldsalatbett (aus eigenem Anbau) hat es hervorragend geschmeckt.
Eines weiß ich: so mühsam will ich uns nächstes Jahr nicht mehr ernähren. Deshalb stehen schon die Knollen von einer dickeren, spätblühenden Sorte auf meiner Pflanzbestellliste, denn Platz für Wucherpflanzen hätte ich noch, notfalls im Hühnerstall.
Zum Schluss stelle ich euch noch ein schönes, interessantes Büchlein vor, dass mich zum Kochen angeregt hat:
Es ist ein Buch ohne Fotos, aber schön beschrieben. Außer Rezepte mit Topinambur findet man noch Pastinaken Zucker-, Hafer-, Schwarzwurzeln verschiedenen Bohnen und Rüben, Portulak und vieles mehr. Ein außergewöhnliches Buch von:
Heide Haßkerl
Schätze aus dem Bauerngarten
- Alte Kulturpflanzen, Anbau, Geschichte, Vegetarische Rezepte -
PS: die Pflanze, die auf dem Cover abgebildet ist, ist Topinampur, einschließlich die Knollen im Eimer.
Herzlichst Astrantia

Kommentare:

Barbara hat gesagt…

Topinambur kann man bei uns zeitweise auf dem Markt kaufen. Angepflanzt habe ich ihn noch nie (Gemüsegarten ist zu klein), aber schmecken tut er mir! Dein angerichteter Rohkostteller sieht ja auch wirklich toll aus.
Einen schönen Sonntag und lieben Gruss,
Barbara

Ute hat gesagt…

Topinambur hatte ich vor Jahren mal auf einem Acker, den wir gepachtet haben. Ich würde ihn auch gerne im Garten anpflanzen, traue mich aber nicht, weil er so wuchert. Du hast mich jetzt aber schon wieder auf den Geschmack gebracht. Vielleicht probiere ich es doch noch einmal.
Viele Grüße von Ute

Lis hat gesagt…

Erst neulich hab ich im TV eine Sendung gesehen in der gezeigt wurde was man alles mit Topinambur machen kann. das hat mit einer Suppe angefangen, ging über das Hauptgericht bis zum Nachtisch. Ich hab leider noch nicht probieren können wie es schmeckt, hier in unsere Ecke kennt man das anscheinend nicht so gut und mein Garten ist für das Wucherteil zu klein. Sollte ich aber mal in deine Nähe kommen, wünsche ich mir von dir ein Gericht mit dieser Knolle, alles klar? :-))

LG Lis

Wurzerl hat gesagt…

Ich war wirklich erstaunt, als ich las, wie klein die Knollen sind, denn ich hatte sie viel größer bei Freunden in Erinnerung. Dabei gibt es offenbar unterschiedliche Sorten. Der Geschmack wird aber wohl der gleiche sein? Ich würde auch die größeren pflanzen, es ist ja noch vieeeel mühsamer als die Kartoffel, "Bamberger Hörnchen" zu schälen.
Liebe Grüße vom Wurzerl

SchneiderHein hat gesagt…

Schade, das Rezept hätte ich im vorletzten Herbst gebrauchen können! Unser Ertrag war ähnlich klein und mein 'Küchenchef' konnte den kleinen Knollen nichts abgewinnen. Dafür, dass sie so wuchern sollen, habe ich sie wohl trotzdem bei uns ausgerottet.
Aber im nächsten Herbst werde ich es mal probieren, wenn meine Mutter wieder ein paar überzählige Knollen rodet.
Liebe Grüße
Silke

Monika hat gesagt…

Topinambur wird bei uns im Badischen sehr oft angebaut. Jedoch nicht um daraus ein köstliches Gemüse zu machen, sondern um Schnaps zu brennen, der hier dann 'Rossler' heißt. Es ist ein sehr kräftiger Schnaps, nicht unbedingt mein Geschmack. Inzwischen ist es jedoch auch bis hierher vorgedrungen, daß sich die tolle Knolle auch anderweitig köstlich verwenden läßt und es gibt seit 3 Jahren eine Topinambur-Woche in den hiesigen Restaurants.
Dort habe ich die Knolle auch schon in mehreren Variationen probiert.
Vielleicht stibietze ich meinem Mann doch das nächste Mal ein paar Knollen, bevor er sie zu Flüssigem verbrennt.
Gruß Monika

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